Bemerkenswert

Kulturschock erleben um überleben zu können.

Dies ist die Kurzfassung des Beitrags.

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Jedes Mal, wenn ich zurückblicke, wie ich nach Europa kam, muss ich schmunzeln :-). Was für einen Kulturschock!

Ich habe eine große Familie. Mein Großvater hatte fünfundzwanzig Frauen – Du hast richtig gehört – fünfundzwanzig! So etwas wie ein Königreich – und ich als Prinzessin in der Mitte! Hihi …
Jeder kann sich jetzt denken, wie groß meine Familie ist. Meine Großmutter war die dritte Frau meines Großvaters. Auf meinen Vater bin ich umso stolzer, als er nur eine Frau heiratete und bis zu seinem Tod ausschließlich an ihrer Seite war. Für mich ist er ein Held, weil er mit der Tradition meines Großvaters gebrochen hat.
Ich bin auch mit vier frechen Brüdern aufgewachsen. Mich durchzusetzen, lernte ich schon als Kind. Meine glückliche Kindheit war voller Liebe und Abenteuer.

Von klein auf sind wir schon mit verschiedenen Kulturen in Berührung gekommen. Mein Vater studierte Tiermedizin und war viel auf Reisen. Jedes Mal, wenn er von einem Land zurückkam, hat er uns von dessen Menschen und Kultur erzählt. Er sagte immer „Wenn Du willst, dass deine Kultur wahrgenommen und respektiert wird, musst du die andere Kultur auch respektieren!“.

Einmal als er aus Amsterdam zurückkam, erzählte er uns, wie bunt die Stadt und wie freundlich die Menschen wären. Ich war elf Jahre alt und ich beschloss schon damals, in Europa zu studieren und möglichst viele Sprachen zu erlernen. Elf Jahre später hörte ich dann von einem Au Pair Programm. Als Au Pair kommt man zu einer Familie und betreut die Kinder. Dafür bekommt man Taschengeld. Eine Familie war schnell durch eine Agentur im Internet gefunden. Deutschland hatte mich immer schon fasziniert. Autos „Made in Germany“, sehr gute Fußballer usw. – daher entschied ich mich für dieses Land.

Meine Gastfamilie hatte vier Kinder. Die Mutter war eine evangelische Priesterin, der Vater ein IT-Spezialist. Bessere Umstände konnte ich mir nicht vorstellen.
Da ich mit fünf Brüdern aufgewachsen war (und immer noch lebe – hihi);  war ich überzeugt, dass mich nichts aus der Bahn werfen könnte. Durchsetzungsvermögen und Selbstbewusstsein hatte ich reichlich. „Mit dieser Familie werde ich schon fertig“ dachte ich.

Als einziges Mädchen in meiner Familie von allem loszulassen war nicht leicht für mich. Meine Mama meinte damals „Ich habe dich gut erzogen, Du wirst schon klarkommen. Finde deinen Weg“. Was für eine kluge Mutter! Ein bisschen traurig war ich irgendwie darüber, dass mich meine Familie so leicht zu „entlassen“ schien. Aber heute bin ich froh, dass man mich gehen ließ.
„Kindern gibt man starke Wurzeln, wenn sie klein sind und später Flügel, damit sie alleine fliegen können“ sagte meine Oma. Sie stand mir sehr nahe. Sie betete für mich und segnete mich.

Jetzt aber zu meinem Kulturschock 😉

Ein paar Wochen später bin ich in den Flug hineingestiegen, mein Koffer war voller Hoffnungen und Aufregung. Das Essen im Flugzeug kannte ich nicht, daher aß ich auch nichts. Cola und Fanta trank ich aber reichlich ;-). Stunden später bin ich in Zürich gelandet. Was für einen Flughafen! Vor lauter Staunen und Schauen habe ich gar meinen Flug nach München verpasst. Die Dame am Schalter tröstete mich und organisierte mir einen Flug nach Frankfurt. Von dort sollte ich mit dem Zug nach München fahren. Ich – jung und naiv – glaubte, Frankfurt und München wären nur ein paar Kilometer auseinander und wenn ich den Zug verpassen würde, könnte ich zu Fuß gehen. Zu Fuß gehen „kann ich“. Ich bin viel gegangen in meiner Kindheit. Aber von Frankfurt nach München?

Meine Gastfamilie wartete schon am Flughafen München. Da ich kein Handy hatte, konnte ich sie aber nicht über „mein Abenteuer“ informieren. In Frankfurt gelandet, fing mein Albtraum damit erst an. Nicht nur, dass mir die Sprache völlig fremd war – von den Menschen will ich gar nicht sprechen. Die traurigen Gesichter und die Hektik sind mir in Erinnerung geblieben. Weil die Menschen nicht lachten, traute ich mich auch nicht, sie um Hilfe zu bitten. Ich hatte keine Ahnung wie Bahn fahren „funktionierte“ und wusste auch nicht, dass ich eine Fahrkarte brauchte. Schließlich hatte ich doch „Nairobi – München“ gebucht. Der Hunger meldete sich langsam – mein Magen knurrte. In diesem Moment vermisste ich meine Familie – vor allem meine großen Brüder, die mich sonst immer beschützt hatten. Ich Küken hatte die wärmste Jacke ausgepackt und Sportschuhe, ich kam im Februar – und trotzdem fror ich. Der „kenianische Winter“ ist halt eine anderer – 20 Grad Celsius unten und Schnee bestenfalls am Kilimandscharo. Der Hunger war noch stärker als die Kälte bedingte nicht Wohlbefinden.
Da fiel mein Blick auf einen schwarzen Mann. Noch nie vorher war ich so froh gewesen, einen schwarzen Mann zu sehen. Und er lächelte mich an – er lächelte! Hatte ich doch zuvor angenommen, in diesem Land wäre Lachen verboten. Ich bin auf ihn zu gerannt, habe ihn umarmt und fing an, bitterlich zu weinen. Der arme Kerl wusste zunächst gar nicht, was er mit mir machen sollte! Dass er Englisch sprach, machte die Sache dann aber ganz einfach – auch wenn wir unterschiedliche Akzente hatten.

In diesem Zusammenhang. – viele in Europa glauben, Afrika wäre „ein Land“. Ich wurde gefragt, welche Sprache man in Afrika sprechen würde – ob das etwa „Afrikanisch“ wäre.
Also erstens – diese Sprache existiert nicht. Afrika ist der zweitgrößte Kontinent mit fünfundfünfzig Ländern. Und nein – wir haben keine gemeinsame Kultur, keine gemeinsame Mentalität und schon gar keine gemeinsame Sprache. Wir wissen auch nicht gleich auf den ersten Blick, woher der „Schwarze gegenüber“ kommt. Wenn wir uns auf der Straße anlächeln, heißt das nicht, dass wir uns kennen. Wir müssen uns nicht kennen, um jemanden ein Lächeln zu schenken. Das steckt in uns drinnen 😉

Da ich zu aufgeregt war, konnte er mich auch nicht verstehen. Meine Angst war zu groß, um mich besser zu verständigen. Der Mann rief meine Gastfamilie an. Gott sei Dank war meine Gastmutter zuhause geblieben, da sie hochschwanger war. Plötzlich hielt ich eine Fahrkarte in der Hand. Es war wie Zauberei. Dabei hatte meine Gastgeberin doch nur online das Ticket gekauft und am Schalter ausdrucken lassen. Ich war zutiefst beeindruckt. Nur fünf Minuten später fuhr mein Zug ab. Ende gut, alles gut – dachte ich – wäre da nicht der große Hunger gewesen, der mich mittlerweile halb umbrachte. Der Schaffner würde auf mich warten – bis der Zug voll ist und ich mir zwischenzeitlich eine Kleinigkeit besorgt hätte – dachte ich mir. Gut, dass mein Retter noch bei mir war und mich darüber aufklärte, dass die Uhren in Deutschland anders ticken. „Willkommen in Deutschland“ sagte er „hier ist Pünktlichkeit das A und O!“ Er hatte Recht – denn plötzlich und auf die Minute genau fuhr der Zug ab. Mit so einem „Ding“ bin ich noch nie zuvor in meinem Leben gefahren. Der Zug war schnell wie ein Flugzeug – nur dass er am Boden fliegt.
Mein „Retter“ hatte mir noch zwanzig Euro mitgegeben. Selber hatte ich nur zehn Euro einstecken – eigentlich genug – aber nur in meiner alten Heimat 😉
Dort wo ich herkomme, ist es üblich, dass Essen durch fahrende Händler im Zug verkauft wird oder man kauft schnell etwas zum Knabbern übers Fenster, wenn der Zug einen Zwischenstopp einlegt. Dort kamen aber keine Händler vorbei und dort wo der Zug stehen blieb, warteten auch keine Händler. Ich habe gelitten wie ein Hund. Übrigens – auch in den nächsten Wochen habe ich den Zug dauernd verpasst, da ich weiterhin hoffte, dass der Schaffner warten würde, bis der Zug voll wäre. Ich lernte aber schnell und nach ein paar verpassten Züge und unnötig gewarteten Stunden bei tiefen Temperaturen im Winter fiel es mir rasch leicht, pünktlich zu sein.

In München wartete bereits meine Gastfamilie auf mich und ich war unheimlich froh, angekommen zu sein. Sie gaben mir einfach die Hand! Was sollte ich damit? Ich dachte, sie würden mich umarmen. Und eine Umarmung hätte an dieser Stelle dringend gebraucht. Dort wo ich herkomme, lieben wir den Körperkontakt. Umarmungen und eine Annäherung durch ein Klopfen auf die Schulter gehören dort zur Tagesordnung. Schon als Kinder wurden wir dauernd am Rücken getragen und so entsteht den Rhythmus. Unsere Mütter tanzten mit uns am Rücken – so wie auch ich meine Kinder gerne am Rücken getragen habe. Ich wollte, dass sie erfahren, wie schön und gesund Körperkontakt ist. Oft werde ich gefragt, wieso Afrikaner so gut tanzen können ohne eine Tanzschule zu besuchen. Jetzt ist das Geheimnis gelüftet ;-).  Ganz schüchtern gab ich meiner Gastfamilie die Hand und ich lernte zum ersten Mal “akzeptieren und respektieren“. Ich würde mich schon mit der europäischen Mentalität anfreunden – früher oder später. So what!

Zuhause bei der Gastfamilie angekommen, gab es zu Abend nur Brot! Was sollte das? Wo ich herkomme, heißen wir unsere Gäste mit einem Festmahl willkommen! Da ich diese Form des Brotes auch nicht kannte, gab ich mich mit Milch zufrieden und ging schlafen. Ein so reiches Land und ich hatte Hunger. In der Früh stand ich deshalb schon sehr zeitig in der Küche und plünderte gierig den Kühlschrank. Sogar das Brot, das ich nicht kannte, schmeckte mir auf einmal sehr gut.

Oh ich habe nicht erwähnt, dass ich nicht wusste wo mein Koffer war. Ich war völlig verwirrt. Als ich in München ankam, fragte mich mein Gastvater wo mein Koffer war – ich hatte keine Ahnung! Mein Gastvater machte ein paar Telefonanrufe und siehe da – er kam ein paar Tage später bei meiner Gastfamilie an! Wieder war ich sehr beeindruckt wie in diesem Land alles schnell lief.

So unterschiedlich wie afrikanische Länder sind, so unterschiedlich sind auch die europäischen Länder – eine Erfahrung, die ich später mit meiner Übersiedelung nach Österreich machen sollte. Obwohl Deutschland und Österreich Nachbarländer sind und eine gemeinsame Sprache pflegen, sind die Menschen mitunter ganz unterschiedlich.

Über diese Unterschiede, wie man damit umgehen kann und was man davon lernt – darüber schreibe ich in meinem nächsten Blog –  und auch darüber, wieso ich mich damals dafür entschied, doch in Österreich zu bleiben, wo ich doch dann meinen zweiten Kulturschock erlebte. Bei allen Gemeinsamkeiten ist der kulturelle Unterschied zwischen Deutschland und Österreich doch sehr groß.

Ein Kulturschock ist eigentlich nichts außergewöhnliches. Man muss nur mit ihnen vertraut werden.  Sie gehören zum Leben. Negative und positive Erfahrungen macht jeder jeden Tag. Nimm einfach die positive Erfahrungen mit, versüße die negative mit ein wenig Humor und marschiere weiter. Segne die Menschen, die dich verletzen und gehe Deinen Weg weiter.

Kulturschocks haben mich stark gemacht und ich möchte sie deshalb nicht vermissen. Lass Dich auch Du nicht daran hindern, die Menschen hier und ihre Kultur kennenzulernen. Denn die Österreicher sind genauso geschockt von der Andersartigkeit unserer eigenen Kultur.

Genießt den letzten Schnee. Der Frühling wird bestimmt bald kommen.

Bis bald!

Eure Easter.

P.S.: Die Österreicher sind eher verschlossen, wenn du wartest, dass sie auf dich zukommen, wirst du sehr lange warten. Wenn Du aber gleich auf sie zugehst, wirst du rasch erfahren wie herzlich und aufgeschlossen sie sind. Den ersten Schritt musst aber Du tun.

 

„Was machst du beruflich?“

20180406_182200[1]„Durch positive Energie und positive Ausstrahlung entsteht die innere Zufriedenheit.“

Hallo – alle miteinander

Endlich komme ich dazu, über die kulturelle Unterschiede zwischen Deutschland und Österreich zu schreiben.  Obwohl die Menschen dieselbe Sprache sprechen, musste ich aus eigene Erfahrung feststellen, dass es doch Unterschiede in der Mentalität und in der Denkweise gibt.

Ich liebe beide Länder, ich besuche sehr gerne Freunde in Deutschland und liebe die Offenheit und die kulturelle Vielfältigkeit.

So erinnere ich mich manchmal an meine Zeit in Bayern zurück. Meine Gastfamilie war in einer Ortschaft namens Dorfen zu Hause. Die Sprache war anfänglich sehr gewöhnungsbedürftig. Mir kam es so vor als würden die Leute beim Reden bellen. Ich hatte Schwierigkeiten die Leute zu verstehen. Mit der Zeit lernte ich aber sogar, verschiedene Dialekte zu verstehen. Irgendwann hatte ich es geschafft, die Eigenheiten der Sprache zu adoptieren und es machte es mich stolz, selbst bellen zu können :-).

Als Au Pair Mädchen hatte ich jedes Wochenende frei.  Mein Gastvater spendete mir  jedes Wochenende eine Fahrkarte, um mich mit der Region vertraut zu machen. Ich reiste durch das ganze Land, besuchte Freunde, lernte interessante Menschen und Städte kennen – und natürlich die Sprache.

So kam es, dass ich eines Tages beschloss, das berühmte Oktoberfest aufzumischen. Was soll ich euch sagen? Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich am eigenen Leib erfahren was es bedeutet mit Gedächtnislücke konfrontiert zu sein. Es ist mir daher heute nicht möglich vollständigen Bericht über das Oktoberfest zu verfassen. In dieser Zeit war ich froh, meine russische Freundin als Begleiterin bei mir zu haben. Ein besseres Navigationssystem kann ich mir nicht vorstellen.

Meiner Gastmutter habe ich  zu verdanken, dass sie mich mit vielen jungen Leuten bekannt gemacht hat, die mich am Abend zu Veranstaltungen mitnahmen. Das war sehr hilfreich. Ich durfte Deutschland dabei als sehr offen und tolerant gegenüber Ausländern kennen lernen. Die anfänglich als sehr distanziert erlebte Art, miteinander umzugehen, störte mich auf einmal nicht mehr. Dabei ich nur zu gut in Erinnerung wie die Leute Platz machten, nur um mit jemand anderen nicht in Berührung zu kommen.

Den Deutschen empfand ich zwar als sehr direkt, keinesfalls aber hinterlistig. Er sagt einfach, was er von dir hält. Diese Eigenschaft fehlt mir in Österreich. Anstatt jemanden auf Fehler aufmerksam zu machen, machen sie sich manchmal über jemanden lustig oder beginnen zu lästern.

Nach meinem Jahr in Deutschland wollte ich weitere Sprachen lernen. Mein Plan war, je ein Jahr in Deutschland, in Frankreich und in Spanien zu verbringen. Dann wollte ich nach Kenia zurückkehren. Wie sagt man so schön – „Im Leben kommt es immer anders als geplant.“.  So fand ich eine nette Familie in Österreich und dachte mir „wieso nicht?“. Ich war noch jung, wollte aber meinen Plan nicht verwerfen, um ihn später umzusetzen. Österreich kannte ich vorher überhaupt nicht – ich hatte noch nie von diesem Land gehört. Meinen Neugier war geweckt. Ich las viel über die Geschichte Österreichs, über seine berühmten Komponisten, die Leidenschaft des Skifahrens und die typisch österreichisch Küche. Ich war fasziniert und wollte rasch aufbrechen.

Die Berge liebe ich genauso wie die verschiedenen Dialekte mit denen ich noch vertraut werden sollte – ebenso wie das traditionelle Essen, die Musik und die Kultur. Bis heute habe ich von der Begeisterung von dem Land nichts verloren – egal ob ich daheim bin, oder beispielsweise in Tirol oder Salzburg unterwegs bin. Schade, dass es trotzdem noch Menschen gibt, die die Schönheit des Landes nicht genug zu schätzen wissen. Viel lieber verlagern sie sich aufs Jammern und Raunzen, was mich immer wieder zu einem Schmunzeln hinreißt – etwa dann, wenn sich dadurch Stimme und Körperhaltung ändern. Unglaublich wie „professionell“ vor allem der Wiener jammern kann. Das ist schon ziemlich einmalig. Am Anfang hatte ich zwar gewaltig damit zu kämpfen – aber letztendlich akzeptierte ich das Raunzen als Bestandteil der Kultur. Immerzu dachte ich „Die Leute haben doch alles. Es geht ihnen gut. Was wollen sie denn noch mehr?“. Es scheint, als wäre das Raunzen den Österreichern genauso wichtig wie uns Afrikanern das Lachen. Auch wenn ich angepasst habe und das Raunzen irgendwo akzeptiert habe – annehmen möchte ich es niemals.

Mit den Witzen ist das auch so eine Sache. Ich war äußerst erstaunt zu erfahren, dass man sich hier Witze über Menschen aus anderen Kulturen erzählt. Dort wo ich herkomme, gibt es keine Witze über weiße Leute, oder anders farbige. Wieso denn auch? Wir sind anderen Kulturen gegenüber sehr freundlich eingestellt. So waren Gäste aus dem Ausland bei uns immer willkommen. Und wie wir die Gäste liebten! Wir hatten uns immer darüber gefreut, wenn jemand vorbei kam. Dabei nehmen wir die Menschen so wie sind. Sie ändern zu wollen oder Witze über sie zu machen, käme uns nicht in den Sinn. Und hier? Einer der ersten Witze, die man mir erzählte, war ein „Neger-Witz“ – und wie Chinesen und Indianern „funktionierten“, sollte ich auch rasch erfahren. Ob die Leute Witze über anderen nur machen, weil ihnen langweilig ist?

Mein erstes Erlebnis beim Notar in Österreich war ebenfalls einmalig. Die Sekretärin sprach immer zu von einem Herrn Magister.  „Der Herr Magister kommt gleich.“, „Der Herr Magister kann Sie jetzt empfangen“, usw. Ich fragte mich, ob Magister sein Vorname oder sein Familienname wäre. Später erfuhr ich dann, wie wichtig ein Titel in Österreich ist. Überall traf man auf Frau oder Herr Magister, auf Herrn Doktor oder einen BA (Bachelortitel)! „Titelwahn“ war mir bis dahin eine unbekannte Krankheit. Bis heute muss ich schmunzeln, wenn ich einen Herren oder eine Frau Magister kennen lerne. Andere Länder, andere Sitten ;-).

„Was machst du beruflich?“ wurde mir oft als erste Frage gestellt, wenn ich jemanden kennen lernte. Das schien wichtiger zu sein, als nach meinem Namen zu fragen. Irritiert war ich deshalb, weil ich nicht über meinen Beruf definiert werden wollte, sondern ich mir erwartete, dass man sich für meine Persönlichkeit interessiert. Heute stelle ich mich als erste mit Namen und Beruf vor und die Frage ist geklärt.

Ich könnte noch viel mehr über die kulturelle Unterschiede berichten – aber das würde an diese Stelle den Rahmen sprengen. Jedes Land hat seine eigene Kultur und eigene Werte, die man genauso respektieren sollte, wie den spezifischen Charakter eines Menschen. Alle in einen Topf zu werfen, finde ich nicht richtig. Lerne erst einen Mensch kennen – und dann urteile über ihn.

Lernen wir uns anzupassen. Wir dürfen uns nicht erwarten, dass der Gastgeber sich uns anpasst.  Wünschen wir uns nur, dass er uns zumindest freundlich gesinnt ist. Lasst uns viel mehr mit Humor nehmen und das Leben trotz seiner manchmal unwillkommenen Überraschungen genießen. Wir alle sind Gäste auf dieser Welt, wir kommen und gehen und vor allem „keiner kommt lebendig hier raus:“ :-).

Vergessen wir auch nicht, dass sich jede Kultur mit der Zeit auch ändert – ob wir es wollen oder nicht –  sei es durch Einflüsse von außen oder von innen. Nichts bleibt gleich und ich bin mir sicher – unsere Kinder werden bald eine andere Kultur finden, als wir heute. Dazu bedarf es nur einer Portion Toleranz und Respekt.

 

Bis bald!

Eure Easter.

 

 

Jede Blume hat ihren Duft….

„Geht es der Frau gut, geht es uns allen gut“. Ein afrikanisches Sprichwort.

Hallo – alle miteinander,

dieser Beitrag ist besonders an Frauen gerichtet, aber auch an Männer, die Frauen schätzen und respektieren.

Du bist einzigartig und stark, glaube an dich. Tue, so oft es geht, Dinge, die dir Spaß und dich glücklich machen. Lächle oft, denn wer lächelt, fühlt sich auch besser. Lass dir nicht von anderen den Tag verderben. Deine Vorzüge solltest du mit Stolz betonen und ärgere dich nicht über Kleinigkeiten. Bewahre Haltung, Kopf hoch, Kinn gerade, so eroberst du die Welt!

Nach zwei Buben wurde ich geboren. Mein Vater nannte sein erstes Mädchen „Achieng´“. „Chieng´“ heißt Sonne auf meiner Muttersprache. Ich blieb das einzige Mädchen in der Familie und genoss es ein Mädchen zu sein. Ich sah mich als was besonderes und bis heute genieße ich es eine Frau zu sein. Wie ich es liebe eine Frau zu sein! Als ich meine Tochter bekam, war ich überglücklich und ich nannte sie „Zawadi“. Zawadi heißt ein Geschenk auf Suaheli.

Ich verurteile jegliche Art vom sexuellen Missbrauch und ich finde es als Privileg, in einem Land leben zu dürfen, wo Frauen und Männer gleiche Rechte haben. Ich  bin für gleiche Löhne bei der gleichen Arbeit zwischen Männern und Frauen. Jedoch will ich nicht so sein wie ein Mann.

Meiner Meinung nach entmannt die übertriebene Emanzipation die Männer.  Irgendwann haben wir nur Männer, die sich nicht einmal trauen eine Frau anzusprechen, geschweige denn anzuschauen – Männer die mit gesenkten Häuptern herum laufen.  Lassen wir sie einfach Männer sein und genießen wir unsere Weiblichkeit in vollen Zügen.

Seien wir mal ehrlich – Frauen und Männer sind unterschiedlich und dieser Unterschied wird immer geben. Deswegen ist die Welt ja so schön und bunt. Stellt euch vor es gäbe nur Männer, oder nur Frauen auf der Welt. Was für eine schreckliche Vorstellung!

Eine selbstbewusste starke Frau will nicht so sein wie ein Mann, sie kämpft auch nicht danach. Wir sind wunderschön und einzigartig. Wir sind diejenigen die Kinder tragen, gebären und stillen  können. In dieser Hinsicht gibt es sicher ein paar Männer, die uns unheimlich beneiden ;-). Stellt euch vor, Männer würden Kinder bekommen – die ganze Menschheit wäre schon ausgestorben ;-). Mein Sohn stirbt gleich am ersten Tag, wenn er nur ein bisschen Fieber hat.

Mir zum Beispiel kommt sehr oft vor, als würden wir uns ständig mit den Männern vergleichen. Dass wir für unsere Rechte kämpfen, ist gut. Fangen wir jedoch an, uns ständig mit den Männern zu vergleichen, haben wir schon verloren. Es wird Zeit, dass wir uns lieben so wie wir sind, uns gegenseitig unterstützen, statt uns mit Neid und Eifersucht zu bekämpfen. Männer sind nicht unser Problem, sondern wir selbst. Ich bin mit vier Brüdern aufgewachsen und ich weiß wovon ich spreche. Männer unterstützen sich, verraten sich ganz selten, vergeben schnell und sind meistens nicht nachtragend. Es ist nicht notwendig, die Laterne eines anderen auszublasen, damit die Eigene heller scheine.

Ich bin mit starken Frauen aufgewachsen. Meine Tanten sind laut, kurvig und selbstbewusst. Ich nenne sie liebevoll „Vollweiber“. Bis heute ist meine Mutter mein Vorbild und sie wird es immer bleiben. Sie ist eine starke Frau die fünf Kinder, nachdem mein Vater gestorben ist, alleine großgezogen hat. Ich bevorzuge Vorbilder, die ich gut kenne und die mich jeden Tag beeindrucken.

Ich würde immer wieder als Frau zurück kommen wollen. Ich würde noch einmal meine wunderschöne breite afrikanische Nase wählen, meinen „stockerl“ wunderschönen afrikanischen Po. Oh sogar meinen schwabbeligen Bauch, den ich nach zwei großen Kindern bekommen habe, würde ich haben wollen. Einfach alles!

Wer definiert wie wir schön sein sollen? Wir selbst! Ich liebe meine Schwangerschaftsstreifen und meine Kaiserschnittsnarbe. Ich trage Bikinis mit Stolz und falls meine Schwangerschaftsstreifen wen stören, ist es nicht mein Problem. Jede Narbe erzählt eine Geschichte und zeigt wie stark eine Person ist und was sie durchgemacht hat.

Jedes Mal, wenn ich mich eincreme, bleibe ich ein bisschen länger bei meinem Bauch und ich massiere ihn mit Liebe und Achtung ein. Meine Tochter fragte mich einmal „Mama, wieso cremst du immer den Bauch länger ein?“. Ich sagte ihr „Schatz, der war so gut zu mir, der hat mir das beste im Leben geschenkt – sogar zweimal, jetzt ist er dran“. Seitdem bekomme ich sogar ab und zu Hilfe beim Bauch eincremen. Er hat sogar von den Kindern einen Namen bekommen; squishy(matschig) ;-).

Wir alle wollen, dass unsere Töchter starke und selbstbewusste Frauen werden – dies können wir nur erreichen indem wir gute Beispiele sind und ihnen zeigen wie schön es ist eine Frau zu sein. Meinen Sohn möchte ich auch zu einem richtigen Mann großziehen. Er soll Frauen respektieren und sie gut behandeln.

Als Frau und Mutter habe ich eines gelernt – erwarte nicht zuviel Bestätigung und Lob von den anderen. Erkenne deine Stärke und setze sie dort gezielt ein, wo sie dich weiterbringen. Ich bin glücklich, wenn ich eine Bestätigung, oder Lob bekomme – wenn ich keine bekomme, bin ich auch glücklich, denn ich weiß was ich kann und wie stark ich bin. Strahle Stärke und Selbstvertrauen aus und keiner wird sich trauen dich blöd anzumachen.

Die heutige Gesellschaft verlangt sehr viel von uns Frauen. Wir sollen perfekte Mamas sein(keine Mama ist sowieso perfekt), gute Ehefrauen, nach der Geburt gleich super schlank sein, usw. Wir sind mit Information überflutet, etwa wie wir unsere Kinder erziehen sollen, gute Ehefrauen sein sollen, oder wie wir nach der Geburt aussehen sollen. Was wir leisten ist eine unglaubliche und unbezahlbare Leistung. Wir brauchen diesen gesellschaftlichen Druck nicht. Fuck society ;-).

Sei einfach du selbst, vertraue deine weibliche Intuition. Wenn die eine Erziehungsmethode bei meiner Freundin funktioniert, heißt es nicht, dass es bei meinen Kindern auch funktioniert. Wenn meine Freundin mit einer Diät abnimmt, heißt es nicht, dass ich auch mit der gleichen Diät abnehme. Ich halte sowieso nichts von Diäten.

Lerne deinen Körper kennen und höre mehr auf ihn. Nehme die Ratschläge und Vorschläge dankend an. Aber, letztendlich vertraue auf deinen Bauchgefühl. Wir alleine sind verantwortlich für unsere Wohlbefinden und Glück. Weg mit den giftigen Menschen, die dich nicht weiterbringen, die Zeit dafür hast du nicht. Erwarte nicht, dass die anderen dich glücklich machen werden, wenn du dich selbst nicht glücklich machen kannst. Dasselbe gilt auch für die Liebe – liebe dich zuerst und du wirst automatisch Liebe aus deiner Umgebung spüren. Tue dir jeden Tag etwas Gutes, belohne dich, wenn du das Bedürfnis hast, denn du bist es wert!

In meinem Leben bin ich der wichtigste Mensch – diesen Satz sage ich sehr bewusst. Ich komme an der ersten Stelle, denn ich weiß, wenn es mir gut geht, geht es meinen Kindern auch gut. Wer allerdings glaubt, dass Kinder automatisch glücklich machen, ist falsch informiert. Die sind nicht unser Eigentum, unsere Aufgabe ist es, sie zu begleiten und  später sie fliegen zu lassen. Wenn du mit dir nicht im Reinen bist, kann keiner es schaffen dich glücklich zu machen.

Durch gesunde Ernährung, Bewegung, eine große Portion  Selbstvertrauen, gesunde und liebevolle Einstellung zu unserem Körper, sind will alle Göttinnen – egal welche Größe du trägst. Sei stark, sei schön, sei stolz, sei selbständig, sei einzigartig. Schäm dich niemals deine Kanten, Kurven, deine seltsamen und hässlichen Seiten mit stolz zu zeigen! Glücklich sind die, die sich selbst genügen.

Don´t ever be afraid to have some fun.

 

 

Bis bald!

Eure Easter.

 

 

 

Es ist nicht alles Gold, was glänzt.

„Um alt und weise zu sein, muss man jung und dumm gewesen sein.“ sagt ein Sprichwort.

Hallo – alle miteinander 🙂 Hier bin ich wieder.

In meinem letzten Blog habe ich versprochen, über die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und Österreich zu berichten, die ich selber erlebt habe. Obwohl dieselbe Sprache gesprochen wird, sind die beiden Länder doch zu unterschiedlich, um sie über einen Kamm zu scheren. Ich wollte euch eigentlich erzählen, wie ich mit dieser Unterschiedlichkeit zurecht gekommen bin und was ist daraus gelernt habe. Allerdings gibt es ein Thema, das mich schon lange Zeit beschäftigt – die Schattenseite Europas. Ich habe mich daher entschlossen, dies zum Thema dieses Blog-Eintrages zu machen.

Die Entwicklungsländer verlieren jeden Tag fleißige und gebildete Menschen, weil sie im eigenen Land nicht dieselben Chancen vorfinden wie im „goldenen“ Europa oder in einem anderen hoch entwickelten Land. Diese Wirtschaftsflüchtlinge nehmen fälschlicherweise an, dass das Leben auf der anderen Seite nur schöner und besser wäre. Meiner Meinung nach werden genau diese Menschen dringend für den Aufbau und die  Weiterentwicklung dieser Länder gebraucht.

In den Entwicklungsländern wird zumeist ein Bild das schönen Europa gezeichnet. Die gleichen Medien äußern sich auf der anderen Seite zu negativ über das Leben in den Entwicklungsländern. Dass es in Europa auch viele arme Leute – sogar Obdachlosen und Menschen, die psychisch erkrankt sind – wird dabei nicht erwähnt – ebenso wie – die Menschen hier sehr hart arbeiten, um sich das Leben im Wohlstand leisten zu können. Das trifft insbesondere auf die Nachkriegsgeneration zu. Sie sind im Land geblieben, um zu arbeiten und ihren Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Auch ich dachte, dass das Leben in Europa ein leichtes Spiel wäre. Wie falsch ich doch gelegen bin!

An alle Migranten die jetzt schon in Europa leben – „Lasst uns Europa aus einem realistischen Blickwinkel betrachten.“.
Hören wir auf, falsche Geschichten zu erzählen und falsche Bilder zu zeichnen. Man muss nicht ausgerechnet nach Europa kommen, um ein besseres Leben führen zu können. Das „schöne Leben“ kann man genauso gut anderswo realisieren – Hauptsache man packt an und glaubt an sich.
Ganz ehrlich – hätte ich Europa seinerzeit so gekannt wie heute, wäre ich erst gar nicht nach Europa gekommen, sondern daheim geblieben. Ob ich das im Nachhinein bereue? Nein – denn meine anfänglichen Integrationsschwierigkeiten sind mittlerweile der Begeisterung für den Kontinent gewichen. Dazu musste ich allerdings hart an mir arbeiten. Heute lebe ich mit meinen beiden Kindern sehr gerne hier.

Mein Taschengeld das ich als Au Pair Mädchen in Deutschland verdient hatte, schickte ich damals meiner Familie. Als ich dann zu meiner Gastfamilie nach Österreich fahren sollte, stellte sich heraus, dass ich mir nicht einmal mehr eine Fahrkarte von München nach Wien leisten konnte. Zum Glück streckte mir meine neue Gastfamilie das Geld vor. Es wurde mir später von meinem Taschengeld abgezogen. Und am Anfang machte ich sogar Schulden bei meinen Freunden nur um meine Familie weiter mit Geld zu versorgen. Eine gute Freundin, von der ich mir öfters Geld geliehen hatte, öffnete mir damals die Augen „Easter – hör auf damit. Du machst dich selber kaputt!“.

Ich hatte Jahre gebraucht, um meiner Familie gegenüber zuzugeben, dass ich ihnen kein Geld mehr schicken könne, weil ich selber zu wenig für mich hatte. Was für ein schmerzvoller und langwieriger Prozess!

Das Geld wächst nicht auf Bäumen, sondern will erst einmal verdient werden.
Es war ein langer Weg und es ist sehr schwer, dieser Verpflichtung zu entkommen. Aber, wo der Wille ist, ist auch ein Weg.

„Gib einem Mann einen Fisch und du ernährst ihn für einen Tag. Lehre einen Mann zu fischen und du ernährst ihn für sein Leben.“
Meine Familie hatte bestimmt nicht die Absicht mich finanziell zu belasten – sie hatte bloß einen falschen Eindruck von Europa. Und ich habe viel zu lange zugewartet, die Erwartungshaltung zu korrigieren. Ich wollte sie ja nicht enttäuschen und sie mit meinen Problemen belasten. Dabei wäre es nicht zuviel verlangt gewesen, von meiner eigenen Familie viel früher Verständnis einzufordern – selbst, wenn sie darüber am Anfang sehr schockiert, dass ich kein Geld mehr schicken wollte. Mittlerweile haben sie sich dran gewöhnt. Schließlich habe ich Kinder die mich finanziell belasten.

Es ist verständlich, wenn man Zeit braucht sich in einem neuen Land einzuleben. Und verständlich ist es auch, nicht sofort mit der neuen Kultur klarzukommen. Jedoch sollte nach dem Kulturschock eine Entscheidung getroffen sein – will ich bleiben, oder zurück zu meiner Heimat? Lässt man sich jedoch zu lange Zeit sich mit der neuen Heimat zu befreunden, können gravierende Folgen entstehen, wie etwa Depressionen, Unzufriedenheit, Kriminalität, Alkoholismus, Drogenkonsum, und Aggressivität. Wenngleich viele von uns nicht unverzüglich erkennen, dass sie von Krankheiten wie Depressionen betroffen sind. Ich zum Beispiel bin nie mit dieser schrecklichen Krankheit in der alten Heimat in Berührung gekommen. Ich lernte sie erst in Europa kennen. Als meine Mutter mich hier einmal besuchte, brauchte ich fast eine Stunde ihr zu erklären, was Depressionen sind.

Ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit. Vor kurzen erzählt mir eine befreundete Kenianerin, dass sie manchmal davon träumt, nach Europa zu kommen und einen reichen Mann heiraten zu wollen. Sie wolle ein besseres Leben führen. Ganz direkt habe ich ihr entgegnet „Dein schöner Traum wird sich in einen Albtraum verwandeln, wenn Du nicht gleich aufwachst“. Das Leben hier hat nämlich nicht nur seine schönen Seiten. Neben allen Vorzügen hat Europa auch seine Schattenseiten – so wie jede andere Region auf der Erde auch. Es gibt nicht nur viel zu gewinnen, sondern auch viel zu verlieren. Und eine ausschließlich Fokussierung auf materielle Aspekte des Lebens macht ohnehin nicht glücklich.
Meine Freundin hat ihre Familie um sich, die Sonne scheint das ganze Jahr, sie kennt keine Depressionen, Burn-out und Rassismus. Sie muss auch nicht jeden Tag im Winter das Eis vom Auto kratzen und dabei frieren wie ein Polarbär. Glücklicherweise entschied sie sich, in Kenia zu bleiben. Viele kommen hier her, fangen bei null an und ich frage mich wofür – wo sie doch zuhause ein schönes Leben und einen guten Job hatten?

Das offene Reden mit meiner Familie hat mir ein leichtes Leben in der neuen Heimat ermöglicht. Ein Leben mit einem leichten Rucksack am Rücken. Je leichter der Rucksack, desto leichter ist das Leben miteinander. Lernen wir von Zeit zu Zeit unsere Rucksäcke zu entleeren und die Gegenstände die uns nicht gehören, abzugeben. Scheuen wir uns nicht offen zu sagen wie es uns in der neuen Heimat geht. Dadurch können wir die Menschen die ihre Heimat aus wirtschaftlichen Gründen verlassen wollen, umstimmen. Ich bin sogar davon überzeugt, dass unsere Familien und Freunde uns besser verstehen, unterstützen und uns nicht finanziell belasten, wenn wir offen mit ihnen sprechen. Geteiltes Leid ist halbes Leid.

Schenkt Liebe und ich garantiere euch, dass ihr Liebe zurückbekommt.
Bis bald!

Eure Easter.

P.S: Durch Verallgemeinerung und Unwissenheit können Verletzungen entstehen. Bitte urteile nur über anderen Kulturen und Menschen, wenn genug Wissen und Erfahrung vorhanden ist.

Lernt Deutsch und der Weg wird leichter …

Hallo – alle miteinander!

Ich bin Easter. Urprünglich stamme ich aus Kenia – und mittlerweile bin ich stolze Österreicherin.

Meine Plattform „GLEICHAnders“ werde ich nutzen, um über verschiedene Themen zu berichten – über meinen anfänglich erlebten Kulturschock, wie tief Vorurteile in Menschen verankert sind, meine persönlichen Erfahrungen mit erlebtem Rassismus, warum so viele gemischte Beziehungen scheitern, über die Erziehung von Kindern die mehrere Kulturen in sich tragen und auch – wie ich glaube, dass Integration besser gelingen kann.

So sehr ich Österreich heute schätze – meine Ankunft im Jahr 2006 war in erster Linie einmal mit einem Kulturschock verbunden.
Rasch wurde mir klar „Ich muss die Sprache dieses Landes lernen!“  – sonst würde ich die Menschen in diesem Land niemals verstehen können. Der Wunsch, mich mit Menschen unterhalten zu wollen, war groß. Der Anfang war sehr schwierig – aber nach sechs Monaten war mein Deutsch fast perfekt. Ich war überrascht darüber, wie schnell ich lernte – obwohl ich feststellen musste, dass Deutsch keine leichte Sprache ist. Einmal die Sprache gelernt und durch meine offene Art war es mir rasch möglich, einen Freundeskreis aufzubauen.

Während meiner Zeit in Österreich habe ich viele Zuwanderer kennengelernt, die schon die längste Zeit in Österreich leben und trotzdem kaum Deutsch sprechen.
Sollte ich deshalb unbegrenztes Verständnis für diese Menschen haben?
Nein – meine Einstellung zur Sache erlaubt dies nicht. Was sie verpassen, ist unbeschreiblich.

Viele jammern zwar, wie schwierig das Leben hier wäre und wie unfreundlich die Österreicher sich verhielten. Dass das Leben hier auch schwierige Seiten hat, ist unbestritten. Wie sollte es auch anders sein, wenn man Sprache und Kultur der Menschen nicht versteht – oder sollte ich sagen „nicht verstehen will“?
Ich habe diese Gruppe von Menschen gefragt, wieso sie denn hier leben wollen, wo doch das Leben hier so „schlecht“ wäre? Eine Antwort auf diese Frage habe ich nie erhalten.

Schlechte Menschen gibt es überall – genauso wie im extremen Fall Rassisten. Und jeder hat Vorurteile, negative und positive bzw. gesunde und ungesunde.
Wäre es nicht angebracht, über die österreichische Kultur nachzudenken und deren Werte und Menschen zu respektieren, bevor man negativ über das Land urteilt?
Das bedeutet nicht, die mitgebrachte Kultur zu verleugnen zu müssen. Ich für mich stelle fest „Meine alte Kultur wird immer ein Teil von mir bleiben. Dazu ist sie zu tief in mir verankert.
Zwei Kulturen zu leben, stellt keinen Widerspruch dar“. Einer neuen Kultur zu adoptieren bedeutet nicht, die alte aufgeben zu müssen. Ich erkenne nur Vorteile.

Als Voraussetzung für ein „Miteinander“ sehe ich vor allem die Bereitschaft, einen aktiven Beitrag leisten zu wollen – nicht also ausschließlich den Nutzen aus der neuen Kultur zu ziehen, sondern auch etwas (zurück) geben zu wollen –  ganz im Sinne einer gelebten Zwei-Wege-Kommunikation.
Eine aufgeschlossene Geisteshaltung fördert letztendlich den Respekt. Dies gilt für alle Seiten.

Leider haben wir Menschen verlernt, miteinander zu reden. Nelson Mandela hat dazu aber einmal angemerkt „Was man verlernt hat, kann wieder gelernt werden.“ Das sollte Anreiz genug sein zu handeln.

Jeder Mensch hat Angst vor Fremdem. Diese Angst kann nur überwunden werden, wenn die Bereitschaft vorhanden ist, Neuem gegenüber aufgeschlossen zu sein.
Hat es jemals jemandem geschadet, einem Fremden ein Lächeln zu schenken? Ich selbst spiele oft mit meinem Gegenüber, wenn ich merke, dass er unsicher ist – etwa wenn ich im Zug unterwegs bin. Stelle ich fest, dass jemand verunsichert ist, lächle ich ihn einfach an – und schon kommt ein Lächeln zurück.
„Du bekommst zurück, was Du ausstrahlst“ heißt es völlig richtig.
Ganz nebenbei ist Lächeln eine tolle Technik, um die Gesichtsmuskulatur zu trainieren. So bleibt man gesund und wirkt jünger 😉

An alle Österreicher …
Gebt uns die Chance, Euch näher kennenzulernen. Seid freundlich und kommt „uns Anderen“ vertrauensvoll entgegen. Habt bitte Verständnis – für uns, die wir Zeit brauchen, um uns auf Euch einzustellen. So helft ihr uns, den meist unvermeidlichen Kulturschock leichter zu verarbeiten und uns bei Euch einzuleben.

An alle Neuankömmlinge, die gerne bleiben wollen …
Lernt die Sprache Eurer neuen Heimat, respektiert die Menschen die hier leben und respektiert die Kultur und die Werte dieses wunderbaren Landes – denn nur durch gegenseitiges Respekt können wir voneinander lernen und friedlich miteinander leben.

Keine Kultur ist besser als die andere – Kulturen sind bloß unterschiedlich. Eine andere Kultur kennenzulernen ist eine große Bereicherung. Was gibt es schöneres, als neue Menschen kennenzulernen? Eine neue Sprache zu lernen, ist zwar anstrengend – aber sie bringt ausschließlich Vorteile.

Mögen wir mehr miteinander reden!

 

Genießt die Woche, tankt die Sonne und seid Euch freundlich gesinnt.
Ich werde bald über meinen Kulturschock in Europa schreiben.
Bleibt dran!

 

Eure Easter.