Kulturschock erleben um überleben zu können.

Dies ist die Kurzfassung des Beitrags.

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Jedes Mal, wenn ich zurückblicke, wie ich nach Europa kam, muss ich schmunzeln :-). Was für einen Kulturschock!

Ich habe eine große Familie. Mein Großvater hatte fünfundzwanzig Frauen – Du hast richtig gehört – fünfundzwanzig! So etwas wie ein Königreich – und ich als Prinzessin in der Mitte! Hihi …
Jeder kann sich jetzt denken, wie groß meine Familie ist. Meine Großmutter war die dritte Frau meines Großvaters. Auf meinen Vater bin ich umso stolzer, als er nur eine Frau heiratete und bis zu seinem Tod ausschließlich an ihrer Seite war. Für mich ist er ein Held, weil er mit der Tradition meines Großvaters gebrochen hat.
Ich bin auch mit vier frechen Brüdern aufgewachsen. Mich durchzusetzen, lernte ich schon als Kind. Meine glückliche Kindheit war voller Liebe und Abenteuer.

Von klein auf sind wir schon mit verschiedenen Kulturen in Berührung gekommen. Mein Vater studierte Tiermedizin und war viel auf Reisen. Jedes Mal, wenn er von einem Land zurückkam, hat er uns von dessen Menschen und Kultur erzählt. Er sagte immer „Wenn Du willst, dass deine Kultur wahrgenommen und respektiert wird, musst du die andere Kultur auch respektieren!“.

Einmal als er aus Amsterdam zurückkam, erzählte er uns, wie bunt die Stadt und wie freundlich die Menschen wären. Ich war elf Jahre alt und ich beschloss schon damals, in Europa zu studieren und möglichst viele Sprachen zu erlernen. Elf Jahre später hörte ich dann von einem Au Pair Programm. Als Au Pair kommt man zu einer Familie und betreut die Kinder. Dafür bekommt man Taschengeld. Eine Familie war schnell durch eine Agentur im Internet gefunden. Deutschland hatte mich immer schon fasziniert. Autos „Made in Germany“, sehr gute Fußballer usw. – daher entschied ich mich für dieses Land.

Meine Gastfamilie hatte vier Kinder. Die Mutter war eine evangelische Priesterin, der Vater ein IT-Spezialist. Bessere Umstände konnte ich mir nicht vorstellen.
Da ich mit fünf Brüdern aufgewachsen war (und immer noch lebe – hihi);  war ich überzeugt, dass mich nichts aus der Bahn werfen könnte. Durchsetzungsvermögen und Selbstbewusstsein hatte ich reichlich. „Mit dieser Familie werde ich schon fertig“ dachte ich.

Als einziges Mädchen in meiner Familie von allem loszulassen war nicht leicht für mich. Meine Mama meinte damals „Ich habe dich gut erzogen, Du wirst schon klarkommen. Finde deinen Weg“. Was für eine kluge Mutter! Ein bisschen traurig war ich irgendwie darüber, dass mich meine Familie so leicht zu „entlassen“ schien. Aber heute bin ich froh, dass man mich gehen ließ.
„Kindern gibt man starke Wurzeln, wenn sie klein sind und später Flügel, damit sie alleine fliegen können“ sagte meine Oma. Sie stand mir sehr nahe. Sie betete für mich und segnete mich.

Jetzt aber zu meinem Kulturschock 😉

Ein paar Wochen später bin ich in den Flug hineingestiegen, mein Koffer war voller Hoffnungen und Aufregung. Das Essen im Flugzeug kannte ich nicht, daher aß ich auch nichts. Cola und Fanta trank ich aber reichlich ;-). Stunden später bin ich in Zürich gelandet. Was für einen Flughafen! Vor lauter Staunen und Schauen habe ich gar meinen Flug nach München verpasst. Die Dame am Schalter tröstete mich und organisierte mir einen Flug nach Frankfurt. Von dort sollte ich mit dem Zug nach München fahren. Ich – jung und naiv – glaubte, Frankfurt und München wären nur ein paar Kilometer auseinander und wenn ich den Zug verpassen würde, könnte ich zu Fuß gehen. Zu Fuß gehen „kann ich“. Ich bin viel gegangen in meiner Kindheit. Aber von Frankfurt nach München?

Meine Gastfamilie wartete schon am Flughafen München. Da ich kein Handy hatte, konnte ich sie aber nicht über „mein Abenteuer“ informieren. In Frankfurt gelandet, fing mein Albtraum damit erst an. Nicht nur, dass mir die Sprache völlig fremd war – von den Menschen will ich gar nicht sprechen. Die traurigen Gesichter und die Hektik sind mir in Erinnerung geblieben. Weil die Menschen nicht lachten, traute ich mich auch nicht, sie um Hilfe zu bitten. Ich hatte keine Ahnung wie Bahn fahren „funktionierte“ und wusste auch nicht, dass ich eine Fahrkarte brauchte. Schließlich hatte ich doch „Nairobi – München“ gebucht. Der Hunger meldete sich langsam – mein Magen knurrte. In diesem Moment vermisste ich meine Familie – vor allem meine großen Brüder, die mich sonst immer beschützt hatten. Ich Küken hatte die wärmste Jacke ausgepackt und Sportschuhe, ich kam im Februar – und trotzdem fror ich. Der „kenianische Winter“ ist halt eine anderer – 20 Grad Celsius unten und Schnee bestenfalls am Kilimandscharo. Der Hunger war noch stärker als die Kälte bedingte nicht Wohlbefinden.
Da fiel mein Blick auf einen schwarzen Mann. Noch nie vorher war ich so froh gewesen, einen schwarzen Mann zu sehen. Und er lächelte mich an – er lächelte! Hatte ich doch zuvor angenommen, in diesem Land wäre Lachen verboten. Ich bin auf ihn zu gerannt, habe ihn umarmt und fing an, bitterlich zu weinen. Der arme Kerl wusste zunächst gar nicht, was er mit mir machen sollte! Dass er Englisch sprach, machte die Sache dann aber ganz einfach – auch wenn wir unterschiedliche Akzente hatten.

In diesem Zusammenhang. – viele in Europa glauben, Afrika wäre „ein Land“. Ich wurde gefragt, welche Sprache man in Afrika sprechen würde – ob das etwa „Afrikanisch“ wäre.
Also erstens – diese Sprache existiert nicht. Afrika ist der zweitgrößte Kontinent mit fünfundfünfzig Ländern. Und nein – wir haben keine gemeinsame Kultur, keine gemeinsame Mentalität und schon gar keine gemeinsame Sprache. Wir wissen auch nicht gleich auf den ersten Blick, woher der „Schwarze gegenüber“ kommt. Wenn wir uns auf der Straße anlächeln, heißt das nicht, dass wir uns kennen. Wir müssen uns nicht kennen, um jemanden ein Lächeln zu schenken. Das steckt in uns drinnen 😉

Da ich zu aufgeregt war, konnte er mich auch nicht verstehen. Meine Angst war zu groß, um mich besser zu verständigen. Der Mann rief meine Gastfamilie an. Gott sei Dank war meine Gastmutter zuhause geblieben, da sie hochschwanger war. Plötzlich hielt ich eine Fahrkarte in der Hand. Es war wie Zauberei. Dabei hatte meine Gastgeberin doch nur online das Ticket gekauft und am Schalter ausdrucken lassen. Ich war zutiefst beeindruckt. Nur fünf Minuten später fuhr mein Zug ab. Ende gut, alles gut – dachte ich – wäre da nicht der große Hunger gewesen, der mich mittlerweile halb umbrachte. Der Schaffner würde auf mich warten – bis der Zug voll ist und ich mir zwischenzeitlich eine Kleinigkeit besorgt hätte – dachte ich mir. Gut, dass mein Retter noch bei mir war und mich darüber aufklärte, dass die Uhren in Deutschland anders ticken. „Willkommen in Deutschland“ sagte er „hier ist Pünktlichkeit das A und O!“ Er hatte Recht – denn plötzlich und auf die Minute genau fuhr der Zug ab. Mit so einem „Ding“ bin ich noch nie zuvor in meinem Leben gefahren. Der Zug war schnell wie ein Flugzeug – nur dass er am Boden fliegt.
Mein „Retter“ hatte mir noch zwanzig Euro mitgegeben. Selber hatte ich nur zehn Euro einstecken – eigentlich genug – aber nur in meiner alten Heimat 😉
Dort wo ich herkomme, ist es üblich, dass Essen durch fahrende Händler im Zug verkauft wird oder man kauft schnell etwas zum Knabbern übers Fenster, wenn der Zug einen Zwischenstopp einlegt. Dort kamen aber keine Händler vorbei und dort wo der Zug stehen blieb, warteten auch keine Händler. Ich habe gelitten wie ein Hund. Übrigens – auch in den nächsten Wochen habe ich den Zug dauernd verpasst, da ich weiterhin hoffte, dass der Schaffner warten würde, bis der Zug voll wäre. Ich lernte aber schnell und nach ein paar verpassten Züge und unnötig gewarteten Stunden bei tiefen Temperaturen im Winter fiel es mir rasch leicht, pünktlich zu sein.

In München wartete bereits meine Gastfamilie auf mich und ich war unheimlich froh, angekommen zu sein. Sie gaben mir einfach die Hand! Was sollte ich damit? Ich dachte, sie würden mich umarmen. Und eine Umarmung hätte an dieser Stelle dringend gebraucht. Dort wo ich herkomme, lieben wir den Körperkontakt. Umarmungen und eine Annäherung durch ein Klopfen auf die Schulter gehören dort zur Tagesordnung. Schon als Kinder wurden wir dauernd am Rücken getragen und so entsteht den Rhythmus. Unsere Mütter tanzten mit uns am Rücken – so wie auch ich meine Kinder gerne am Rücken getragen habe. Ich wollte, dass sie erfahren, wie schön und gesund Körperkontakt ist. Oft werde ich gefragt, wieso Afrikaner so gut tanzen können ohne eine Tanzschule zu besuchen. Jetzt ist das Geheimnis gelüftet ;-).  Ganz schüchtern gab ich meiner Gastfamilie die Hand und ich lernte zum ersten Mal “akzeptieren und respektieren“. Ich würde mich schon mit der europäischen Mentalität anfreunden – früher oder später. So what!

Zuhause bei der Gastfamilie angekommen, gab es zu Abend nur Brot! Was sollte das? Wo ich herkomme, heißen wir unsere Gäste mit einem Festmahl willkommen! Da ich diese Form des Brotes auch nicht kannte, gab ich mich mit Milch zufrieden und ging schlafen. Ein so reiches Land und ich hatte Hunger. In der Früh stand ich deshalb schon sehr zeitig in der Küche und plünderte gierig den Kühlschrank. Sogar das Brot, das ich nicht kannte, schmeckte mir auf einmal sehr gut.

Oh ich habe nicht erwähnt, dass ich nicht wusste wo mein Koffer war. Ich war völlig verwirrt. Als ich in München ankam, fragte mich mein Gastvater wo mein Koffer war – ich hatte keine Ahnung! Mein Gastvater machte ein paar Telefonanrufe und siehe da – er kam ein paar Tage später bei meiner Gastfamilie an! Wieder war ich sehr beeindruckt wie in diesem Land alles schnell lief.

So unterschiedlich wie afrikanische Länder sind, so unterschiedlich sind auch die europäischen Länder – eine Erfahrung, die ich später mit meiner Übersiedelung nach Österreich machen sollte. Obwohl Deutschland und Österreich Nachbarländer sind und eine gemeinsame Sprache pflegen, sind die Menschen mitunter ganz unterschiedlich.

Über diese Unterschiede, wie man damit umgehen kann und was man davon lernt – darüber schreibe ich in meinem nächsten Blog –  und auch darüber, wieso ich mich damals dafür entschied, doch in Österreich zu bleiben, wo ich doch dann meinen zweiten Kulturschock erlebte. Bei allen Gemeinsamkeiten ist der kulturelle Unterschied zwischen Deutschland und Österreich doch sehr groß.

Ein Kulturschock ist eigentlich nichts außergewöhnliches. Man muss nur mit ihnen vertraut werden.  Sie gehören zum Leben. Negative und positive Erfahrungen macht jeder jeden Tag. Nimm einfach die positive Erfahrungen mit, versüße die negative mit ein wenig Humor und marschiere weiter. Segne die Menschen, die dich verletzen und gehe Deinen Weg weiter.

Kulturschocks haben mich stark gemacht und ich möchte sie deshalb nicht vermissen. Lass Dich auch Du nicht daran hindern, die Menschen hier und ihre Kultur kennenzulernen. Denn die Österreicher sind genauso geschockt von der Andersartigkeit unserer eigenen Kultur.

Genießt den letzten Schnee. Der Frühling wird bestimmt bald kommen.

Bis bald!

Eure Easter.

P.S.: Die Österreicher sind eher verschlossen, wenn du wartest, dass sie auf dich zukommen, wirst du sehr lange warten. Wenn Du aber gleich auf sie zugehst, wirst du rasch erfahren wie herzlich und aufgeschlossen sie sind. Den ersten Schritt musst aber Du tun.

 

Autor: GLEICHAnders

Niemand wird geboren, um einen anderen Menschen zu hassen. Menschen müssen zu hassen lernen und wenn sie zu hassen lernen können, dann kann Ihnen auch gelehrt werden zu lieben, denn Liebe empfindet das menschliche Herz viel natürlicher als ihr Gegenteil. Nelson Mandela

31 Kommentare zu „Kulturschock erleben um überleben zu können.“

    1. Hallo Rita, wir erleben jeden Tag besondere Momente, wir treffen auch jeden Tag Menschen, die uns inspirieren und beeindrucken – aber auch Menschen die uns verletzen. Das wichtigste; immer das Beste mitzunehmen ;-). Deine Ideen, Ruhe und Lebensweise inspirieren mich. Viel Spaß beim weiterlesen und bis bald. LG, Easter.

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  1. Hallo Easter,

    ja, manchmal denke ich auch, dass es wohl verboten ist, in Deutschland in der Öffentlichkeit zu lachen. Aber wenn man auf die Leute zugeht und ihnen freundlich begegnet, dann wird das schon.

    Ich freue mich auf viele Inspirationen und Gedanken, sehr interessant, was ich bei Dir lese.

    Liebe Grüsse
    Thomas

    Gefällt 2 Personen

    1. Hallo Thomas,
      ja, so ist es! Strahle Freundlichkeit und Herzlichkeit aus und du wirst das Gleiche zurückbekommen!
      Ich liebe auch deine Denkweise und die positive Energie die du in deinen Blogs ausstrahlst.

      Auf Kritiken, Lob, aber auch Tipps freue ich mich.

      LG, Easter.

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  2. Hallo Easter,
    Herzlich willkommen in der Blogwelt und vielen Dank für diese wunderschön geschriebene Geschichte.
    Ich freu mich auf weitere Beiträge von dir und darauf, erfahren zu dürfen, wie dein weiterer Weg in den letzten Jahren verlaufen ist.
    Liebe Grüße
    Camilla 😘

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    1. Liebe Camilla,
      danke für deinen netten Kommentar. Ich versuche gerade mich hier zu orientieren und brauche jede Menge Tipps. Deine Blogs gefallen mir auch sehr gut.
      Auf Tipps, Kritiken und Lob freue ich mich!
      LG, Easter.

      P.S. wie kann ich meine Webseite besser und attraktiver gestalten?

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      1. Liebe Easter,
        ich bin weder Webdesigner noch Werbemuschi.
        Die tollste Art, ein Blog attraktiv zu gestalten ist m. E. dessen Inhalt.
        Und du schreibst supertoll und so lebendig.
        Ich freue mich, dass ich dein Blog gefunden habe.
        Alles Liebe
        Cami 😘

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  3. Oh! Das war so toll zu lesen! Vielen Dank für deinen Erfahrungsbericht. Ich habe leider teilweise nur überflogen und muss mir deinen Blog demnächst einmal mit etwas mehr Ruhe durchlesen! 🙂
    Lg
    Tally ❤

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  4. Wunderschöne Geschichte! Ich habe lebhaft mitgehungert und gelitten, nicht umarmt und mit kargem Mahl empfangen zu werden!
    Ich beabonniere Deinen Blog und werde damit mehr von Dir erfahren.
    Thom Ram, Kuhschweizer in Bali…hier ohne Schock angekommen, doch täglich immer noch mehr lernend die andere Mentalität.
    🙂

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    1. Hallo Thom,
      sehr interessant was du schreibst. Wir lernen jeden Tag was neues. Eine andere Mentalität kennenzulernen und sie zu verstehen, kann Jahre dauern. Sei einfach offen, respektiere die Menschen, ihre Mentalität und alles wird gut. Was gibt es besseres als neue Menschen, Kulturen, Sprachen und Mentalitäten kennenzulernen?
      LG, Easter.

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    1. Hallo Thom, blöd sind wir alle ab und zu :-). Du hast keine Ahnung wie schwer ich mir mit der Digitalisierung tue. Meine 8 jährige Tochter ist darin viel besser als ich. Ich hoffe, du hast mittlerweile dein Problem gelöst?

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  5. Oho, da ist wieder einmal jemand interessanter bei mir vorbeigekommen. Da folge ich auch. Ich habe auch schon so manchen Kulturschock mit Afrikanerinnen aus verschiedenen Ländern hinter mir und freue mich darauf, die Sache von der anderen Seite betrachtet zu lesen

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    1. Deine Beiträge sind auch sehr interessant, liebe Myriade. Bitte erzähl mir mehr von deinen Erfahrungen mit Afrikanern. Ich bin sehr offen und wissbegierig.
      Bitte habe Geduld mit denen, glaub mir,es ist nicht einfach für uns die Eindrücke, Erlebnisse, Rassismus, Kulturschock usw zu verdauern. Keiner sagt uns wie es wirklich ist in Europa. Wir kommen hier meistens mit falschen Hoffnungen und erleben eine ganz andere Europa.
      Unsere Aufgabe ist es die Wahrheit zu erzählen, zu sagen wie es uns wirklich geht. Ich habe mich entschieden meiner Familie, meinen Freunden und Bekannten in der alten Heimat zu sagen wie es mir hier geht – dass es nicht so einfach ist, wie sie es glauben. Seitdem geht es mir sehr gut, ich fühle mich frei.

      LG, Easter.

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      1. Ich habe zu meinen Studentenzeiten (das ist schon eine Weile her) viele Afrikaner gekannt, hauptsächlich Männer, Afrikanerinnen gab es in Wien damals praktisch nicht. Und so gut wie alle diese Afrikaner aus verschiedenen Ländern behaupteten immer irgendwelche Prinzen zu sein, sie stammten angeblich alle aus ganz berühmten Familien. Studienabschlüsse dagegen waren sehr selten. Auch diese Generation hatte aber schon das Problem, dass sie ihren Familien zuhause die tollsten Fantasiegeschichten erzählten darüber wie gut sie angeblich lebten und natürlich hatten sie dadurch großen Druck von ihren Familien, die entweder nach Europa geholt werden wollten oder doch zumindest auf Geld warteten. Geld hatten sie aber nicht, denn sie lebten von irgendwelchen Gelegenheitsjobs …

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      2. Von dem kann ich ein Lied singen. Leider haben viele bis heute noch nicht geschafft, der Familie zu sagen, wie es denen wirklich in Europa geht. Für uns Afrikaner ist die Familie heilig, wir wollen sie nicht enttäuschen. Mein Ziel ist es viele von uns Afrikanern, die hier leben zu überzeugen, dass die Welt nicht untergeht, wenn sie Zuhause das Geld nicht schicken können, dass es okay ist, zu erzählen, wie enttäuscht sie sind von dem Leben in Europa………
        Seit ich meinen Brüdern kein Geld mehr schicke, sind sie sehr fleißig geworden und arbeiten sehr hart. Vorher waren sie faul und haben auf mein Geld aus Europa gewartet!

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      3. Ich finde es sehr gescheit von dir, dass du deiner Familie die Wahrheit sagst. Das ist gut für dich und vielleicht überzeugt es auch irgendjemand anderen, lieber zuhause zu bleiben, weil es ihm/ihr dort besser geht als auf den Straßen Europas.
        Eine gute Woche wünsche ich dir

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      4. Ich habe sehr lange gebraucht, liebe Myriade. Ich bin daran fast zugrunde gegangen, es war ein langer Prozess. Ich hoffe, ich kann meine Landsleute, die schon hier sind, überzeugen das gleiche zu tun – und die, die planen hier zu kommen, obwohl es denen Zuhause besser geht, auch überzeugen Zuhause zu bleiben.

        Dir auch eine Schöne Woche.

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  6. Oh das war jetzt sehr unterhaltsam zu lesen. Ich selbst hatte auch so einen Kulturschock. Ich war 8 Jahre alt und siedelte von Ost- nach Westdeutschland um. damals stand die Mauer noch. Ich glaube dadurch bekommt man einen sehr genauen Blick auf seine Umwelt.

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  7. „Zuhause bei der Gastfamilie angekommen, gab es zu Abend nur Brot! Was sollte das? Wo ich herkomme,… wo ich herkomme… wo ich herkomme

    Die Menschen in meiner Heimat sind eher vorsichtig und umarmen meist nicht. In den letzten Jahren hat sich aber die whether verlogene „BussiBussi-Gesellschaft“ bei den vornehmlich, wie selbsternannten Gutmenschen durchgesetzt. Auch das Duzen bei Fremden – obwohl eine klare Beleidigung – findet man heute immer öfters, und das ganz ohne schlechtes Gewissen. Das aber die Gastfamilie bei Ankunft etwas zu essen anbietet, ist eher fürsorglich und und das Brot landestypisch. Wer in fremde Länder vereist, sollte nicht vergleichen, sondern das Fremde achten und das in möglichst sogar in all seiner Unerklärlichkeit. Dennoch, ein netter Erlebnisbericht.

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    1. Hallo Gaby,

      es freut mich, dass du meinen Beitrag mit Begeisterung gelesen hast.
      Es ist menschlich zu vergleichen, jeder tut es. Ich habe sogar einen Beitrag darüber geschrieben, bitte lies meine Beiträge weiter.
      Ich schreibe über meine Erfahrungen, jeder, der nach Deutschland kommt, erlebt deine Kultur anders und das ist auch menschlich.
      Du brauchst dich nicht rechtfertigen, oder deine Kultur verteigen. Ich habe nie gesagt, dass deine Kultur schlechter ist, als meine.
      Für mich sind Kulturen nur unterschiedlich, keine ist besser als die andere. Ich respektiere und achte alle Kulturen. Eine neue Kultur kennenzulernen, ist für mich eine große Bereicherung. Ich liebe deine Kultur, ich habe deine Sprache innerhalb von sechs Monaten gelernt, das macht mich stolz. Ja, ich darf meine Erfahrungen weitererzählen und vergleichen darf ich auch.
      Ich habe eine schöne Zeit in Deutschland verbracht und komme immer wieder gerne zurück. Bei meiner lieben Gastfamilie habe ich damals ein wunderschönes Jahr verbracht und sie ins Herz geschloßen. Bis heute haben wir Kontakt miteinander und schreiben wir uns regelmäßig.

      Wo ich herkomme, verabschieden wir uns mit; ubarikiwe – sei gesegnet.

      LG, Easter.

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