Bunt, bunt, bunt sind alle meine Kleider…

Haraka haraka haina baraka – ein Suaheli Sprichwort

Auf Deutsch übersetzt – in der Ruhe liegt die Kraft

Hallo – alle miteinander,

Weltkinder

Kinder mit Eltern unterschiedlicher Herkunft haben es meistens nicht leicht. Nicht nur in Europa, sondern fast überall auf der ganzen Welt. Vor allem, wenn sichtbarer Migrationshintergrund vorhanden ist.

Umso schwieriger ist es für sie, wenn sie die andere Kultur in der sie nicht leben, nicht gut genug kennen. Öfters erlebe ich, dass sie die andere Kultur sogar ablehnen und mit ihr nichts zu tun haben wollen, wenn sie sich mit ihr nicht identifizieren können – oder wenn diese fremde Kultur von einem anderen Elternteil oder auch von der Gesellschaft in der sie leben in ungünstigem Licht erscheinen lassen.

Die Frage, die mich seit langem beschäftigt; wie bestärke ich ein Kind mit sichtbarem Migrationshintergrund? Ich habe zwei einzigartige Kinder, die zwei wunderbare Kulturen in sich tragen. Beide Kulturen sind gleich wichtig für ihre Erziehung. Meine Kinder sind in Europa schwarz, in Afrika sind sie halb weiß. Meistens wissen diese Kinder nicht recht, wo sie hingehören. Meiner Meinung nach gehören sie überall.

Es wird meistens ein falsches Bild von Afrika in Europa gezeichnet. Daher war es für mich sehr wichtig, meinen Kindern meine Heimat zu zeigen. Sie sollten in der Lage sein sich selbst ein Urteil bilden zu können.

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Dokumentationen, Berichte aus den Zeitungen, Fernsehen usw, können benutzt werden, um den Kindern, die andere Kultur näher beizubringen, jedoch mit großem Vorsicht. Dieses Medium kann noch besser gelingen, wenn sie schon in dieser Kultur waren und sie richtig kennen gelernt haben. Somit können sie selbst entscheiden, was sie von den Medien mitnehmen und was nicht.

Noch besser ist es, wenn deine Kinder von dir persönlich über deine Kultur erfahren. Erzähl denen öfters, wie das Leben in deiner Heimat ausschaut. Zeig denen die Bilder von deiner Familie, Heimat und Kindheit. Beantworte alle Fragen, die sie diesbezüglich stellen. Lass sie mit deiner Familie Kontakt aufnehmen, so entsteht eine Verbindung bevor sie sich kennen lernen. Die Beziehung, der Stolz und die tiefe Verbindung deiner Kultur gegenüber, erkennen deine Kinder sicher durch deine begeisterte Erzählungen. Glaub mir, sie werden mehr davon wissen wollen. Schäme dich niemals für deine Herkunft, denn du kannst sie nicht aussuchen.

Für mich war es wichtig, dass meine Kinder meine Kultur, meine Familie, wo ich aufgewachsen bin, wo ich das Wasser geholt habe, wo ich in die Schule gegangen bin, wo meine Vorfahren liegen, kennen lernen. Nur so können sie mich besser verstehen und mich, als Mensch besser kennen lernen. Jedes Kind hat das Recht seine Wurzeln kennen zu lernen.

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Der erste Schritt für mich gleich nach ihrer Geburt war die Sprache. Sprache ist ein Teil einer Kultur. Ich entschied mich damals für Englisch, denn ich bin mit dieser Sprache aufgewachsen und die Kinder haben mehr Vorteile dadurch. Wenn meine Tochter Englisch mit dem ostafrikanischen Akzent spricht, muss ich schmunzeln. Wie ich diesen Akzent liebe! Er ist ein Teil meiner Identität.

Meine Tochter hat jetzt ihren Wunsch geäußert Suaheli lernen zu wollen. Ich freue mich! Je mehr Sprachen, desto bessere Chancen in der Arbeitswelt, vor allem für die Menschen mit sichtbarem Migrationshintergrund. Deutsch haben sie von Anfang an mit ihrem Papa und Oma gesprochen. Kinder lernen schnell. Ich bin mit drei Sprachen aufgewachsen und beherrsche die drei Sprachen fließend.

Mein größter Wünsch ging in Erfüllung, als ich vor zwei Jahren mit ihnen nach Kenia zu meiner Familie flog. Ihnen meine Heimat zu zeigen, war ein tolles Erlebnis. Ich ging mit meiner Tochter Wasser holen und Holz sammeln. Mein Sohn ging mit meinem Bruder in die Felder hinaus, sie brachten die Kühe hinaus zum Fluss. Sie spielten den ganzen Tag draußen. Er spielte Fußball barfuß und war überglücklich. Damals sagte er zu  mir „Mama, es ist toll hier, denn ich muss am Abend mein Zimmer nicht aufräumen.“ Der Traum vieler Kinder in Europa.

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Meine Tochter fragte mich damals „Mama, wieso lachen die Menschen hier soooo viel?“ Nach drei Tagen hat sie genauso viel gelacht. Zu Weihnachten warteten sie eifrig auf die Geschenke. Es kam nichts. Stattdessen gab es grillen, Musik, tanzen und viele laute lachende Verwandten. Meine Mama sagte ihnen „ihr seid da, ich brauche keine Geschenke. Zusammenkommen, füreinander da zu sein und gute Gesundheit seien ein Geschenk.“

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Bitte versteht mich nicht falsch. Gegen Geschenke habe ich nichts. Aber, wenn die Besorgung mit Stress verbunden ist, möchte ich lieber kein Geschenk. Beschenken soll aus Liebe geschehen und vom Herzen kommen. Zur Weihnachten verbringe ich gerne schöne Zeit mit Menschen, die ich nicht beeindrucken muss. Menschen die mich nehmen so wie ich bin. Und wenn ich zu jeder Zeit des Jahres, was schönes sehe, kaufe ich es und beschenke es diesen Menschen, die mein Leben bereichern. Ich muss nicht bis zu Weihnachten warten.

Die unerwartete Geschenke gefallen mir am meisten, sie geben mir das Gefühl, dass jemanden an mich gedacht hat. Zu Weihnachten schenke ich nichts, ich schreibe lieber Briefe und verbringe gerne die Zeit mit meinen Lieben. Letztes Jahr zu Weihnachten war ich in einem Einkaufszentrum in Wien. Ich sah viele gestresste Menschen, furchtbar müde mit großen Einkaufstaschen, die wie Zombies herum laufen. Das machte mich echt traurig, danach fragte ich mich, wozu das Geschenk? Wieso nicht vorher das Geschenk in Ruhe besorgen?

Zurück zu meinem Thema. Seit meine  Kinder aus Kenia zurück sind, habe ich den Eindruck, dass sie stolz sind auf dieser Kultur in der sie nicht leben. Meine Tochter trägt sehr stolz ihre afrikanische Kleider von meiner Mama, oder ihre Maasai Sandalen. Letztes Jahr zu Weihnachten hat sie stolz in ihrer Schule ein Gedicht vorgetragen, wie Weihnachten in Kenia gefeiert wird. Es wird jetzt schon ungeduldig gefragt, ob dieses Jahr zu Weihnachten wieder Kenia am Programm steht :-).

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Sie kennen jetzt die andere Kultur und sind stolz auf sie. Ich lebe es ihnen auch jeden Tag vor. Meine Kultur ist ein Teil von mir. Ich trage gerne meine bunte afrikanische Kleider. Ich koche kenianische Gerichte zu Hause. Sie telefonieren oft mit meiner Mama. Durch mich können sie am besten meine Kultur lieben und kennen lernen. Davon bin ich voller Überzeugung. Ich zeige ihnen, dass meine Kultur und die österreichische Kultur eine große Rolle in ihrem Leben spielen, zwar gleichmäßig. Eine andere Kultur kennen zu lernen, heißt nicht meine aufgeben zu mussen.

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Wenn andere Kinder sie fragen, wieso sie denn so braun sind. Sagt meine Tochter stolz „meine Mama ist schwarz, mein Papa weiß, weil meine Mama ihre Farbe noch für meinen Bruder aufheben wollte, hat sie mir nur die Hälfte gegeben, mein Papa auch. Zusammen  haben sie die zwei wunderschöne Farben gemischt und schwups! Ich bin raus gekommen :-)“.

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Mit einer Person aus einer anderen Kultur zusammen sein zu wollen und eventuell auch Familie zu gründen, heißt ihre Kultur lieben und respektieren zu lernen. Manche merken nach ein paar Jahren, wie schlecht die jeweilige Kultur des Partners sei. Daher nimm dir genügend Zeit, deinen Partner kennen zu lernen, seine Kultur und Mentalität. Falls du damit nicht zurechtkommst, oder er nicht mit deiner, verlasse die Beziehung.

Diese Beziehung ist zum scheitern verurteilt. Erfahrungsgemäß scheitern viele gemischte Beziehungen deswegen. Denn wenn Kinder in solchen Beziehungen entstehen, werden sie später sehr darunter leiden. Sie werden es schwer haben, die andere Kultur die abgelehnt wird zu lieben und auf sie stolz zu sein. Ich respektiere alle Kulturen, außer wenn Menschenrechte verletzt werden. Ich suche auch keinen Partner und Freunde aus, die meine Kultur nicht respektieren.

Falls du ein Kind mit einer Person aus einer anderen Kultur hast, brauchst du dir keine Sorgen machen, dass ihre Kultur mehr geliebt wird, als deine. Wenn die Kulturen gleich gestellt sind und gesund vermittelt werden, kann nichts schief gehen. Vertraue deinem Partner/deiner Partnerin und lass deine Kinder von mehreren Kulturen profitieren. Es hat sehr viele Vorteile.

Es kann auch andersrum sein. Es gibt Migranten, die in Österreich ihre Kinder großziehen wollen, aber sich nicht anpassen wollen. Ich habe schon Migranten getroffen, die viel über Österreich als Land und Österreicher schimpfen. Wie können ihre Kinder die österreichische Kultur respektieren und lieben lernen, wenn die Eltern es nicht tun?

Das Gleiche gilt auch für die Österreicher, die dauernd Ausländer in schlechtes Licht stellen wollen und nur das negative in uns sehen. Die sich weigern uns näher kennen zu lernen. Mit dem Verhalten kann Integration niemals gelingen. Es gibt Ausländer die gerne hier leben und bestens integriert sind. Gib ihnen die Chance zusammen mit euch in Friede zu leben. Nur so können wir voneinander profitieren und unser Leben bereichern.

Die integrierte Ausländer können nichts dafür, dass die Politik versagt hat und die kriminelle Ausländer duldet. Dass es mittlerweile viele Ausländer gibt, die sich nicht anpassen wollen und null Respekt für die österreichische Kultur und Werte haben, mache ich die Politik verantwortlich. Wirft uns nicht in den gleichen Topf.

Wir Eltern sind die Vorbilder unserer Kinder. Leben wir es ihnen vor, indem wir die österreichische Kultur schätzen und uns anpassen, sonst ist die Ausgrenzung vorprogrammiert. Durch die Ausgrenzung haben es unsere Kinder überall schwer, sei es in der Schule, oder in der Arbeitswelt. Ich bin überzeugt, dass sie verhindert werden kann.

Ich habe mich entschieden in Österreich zu leben und meine Kinder hier großzuziehen. Es ist meine Pflicht mich bestens zu integrieren, die österreichische Werte und Kultur zu respektieren. Fang ich jedoch an meine Kultur über die österreichische Kultur zu stellen, indem ich über die österreichische Kultur schimpfe und die Menschen hier nicht respektiere, bleibt mir nichts übrig, als meine Sachen zu packen und dort hinzugehen, wo es mir besser geht.

Keine Kultur ist besser als die andere, Kulturen sind nur unterschiedlich, gilt gleich für die Hautfarbe und Religion.

Mit Respekt und Liebe zueinander kommen wir alle voran.

 

Nur beim Probieren schmeckt man das Gute im Essen – Sprichwort aus Kenia

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Bis bald.

Eure Easter.

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Jede Blume hat ihren Duft….

„Geht es der Frau gut, geht es uns allen gut“. Ein afrikanisches Sprichwort.

Hallo – alle miteinander,

dieser Beitrag ist besonders an Frauen gerichtet, aber auch an Männer, die Frauen schätzen und respektieren.

Du bist einzigartig und stark, glaube an dich. Tue, so oft es geht, Dinge, die dir Spaß und dich glücklich machen. Lächle oft, denn wer lächelt, fühlt sich auch besser. Lass dir nicht von anderen den Tag verderben. Deine Vorzüge solltest du mit Stolz betonen und ärgere dich nicht über Kleinigkeiten. Bewahre Haltung, Kopf hoch, Kinn gerade, so eroberst du die Welt!

Nach zwei Buben wurde ich geboren. Mein Vater nannte sein erstes Mädchen „Achieng´“. „Chieng´“ heißt Sonne auf meiner Muttersprache. Ich blieb das einzige Mädchen in der Familie und genoss es ein Mädchen zu sein. Ich sah mich als was besonderes und bis heute genieße ich es eine Frau zu sein. Wie ich es liebe eine Frau zu sein! Als ich meine Tochter bekam, war ich überglücklich und ich nannte sie „Zawadi“. Zawadi heißt ein Geschenk auf Suaheli.

Ich verurteile jegliche Art vom sexuellen Missbrauch und ich finde es als Privileg, in einem Land leben zu dürfen, wo Frauen und Männer gleiche Rechte haben. Ich  bin für gleiche Löhne bei der gleichen Arbeit zwischen Männern und Frauen. Jedoch will ich nicht so sein wie ein Mann.

Meiner Meinung nach entmannt die übertriebene Emanzipation die Männer.  Irgendwann haben wir nur Männer, die sich nicht einmal trauen eine Frau anzusprechen, geschweige denn anzuschauen – Männer die mit gesenkten Häuptern herum laufen.  Lassen wir sie einfach Männer sein und genießen wir unsere Weiblichkeit in vollen Zügen.

Seien wir mal ehrlich – Frauen und Männer sind unterschiedlich und dieser Unterschied wird immer geben. Deswegen ist die Welt ja so schön und bunt. Stellt euch vor es gäbe nur Männer, oder nur Frauen auf der Welt. Was für eine schreckliche Vorstellung!

Eine selbstbewusste starke Frau will nicht so sein wie ein Mann, sie kämpft auch nicht danach. Wir sind wunderschön und einzigartig. Wir sind diejenigen die Kinder tragen, gebären und stillen  können. In dieser Hinsicht gibt es sicher ein paar Männer, die uns unheimlich beneiden ;-). Stellt euch vor, Männer würden Kinder bekommen – die ganze Menschheit wäre schon ausgestorben ;-). Mein Sohn stirbt gleich am ersten Tag, wenn er nur ein bisschen Fieber hat.

Mir zum Beispiel kommt sehr oft vor, als würden wir uns ständig mit den Männern vergleichen. Dass wir für unsere Rechte kämpfen, ist gut. Fangen wir jedoch an, uns ständig mit den Männern zu vergleichen, haben wir schon verloren. Es wird Zeit, dass wir uns lieben so wie wir sind, uns gegenseitig unterstützen, statt uns mit Neid und Eifersucht zu bekämpfen. Männer sind nicht unser Problem, sondern wir selbst. Ich bin mit vier Brüdern aufgewachsen und ich weiß wovon ich spreche. Männer unterstützen sich, verraten sich ganz selten, vergeben schnell und sind meistens nicht nachtragend. Es ist nicht notwendig, die Laterne eines anderen auszublasen, damit die Eigene heller scheine.

Ich bin mit starken Frauen aufgewachsen. Meine Tanten sind laut, kurvig und selbstbewusst. Ich nenne sie liebevoll „Vollweiber“. Bis heute ist meine Mutter mein Vorbild und sie wird es immer bleiben. Sie ist eine starke Frau die fünf Kinder, nachdem mein Vater gestorben ist, alleine großgezogen hat. Ich bevorzuge Vorbilder, die ich gut kenne und die mich jeden Tag beeindrucken.

Ich würde immer wieder als Frau zurück kommen wollen. Ich würde noch einmal meine wunderschöne breite afrikanische Nase wählen, meinen „stockerl“ wunderschönen afrikanischen Po. Oh sogar meinen schwabbeligen Bauch, den ich nach zwei großen Kindern bekommen habe, würde ich haben wollen. Einfach alles!

Wer definiert wie wir schön sein sollen? Wir selbst! Ich liebe meine Schwangerschaftsstreifen und meine Kaiserschnittsnarbe. Ich trage Bikinis mit Stolz und falls meine Schwangerschaftsstreifen wen stören, ist es nicht mein Problem. Jede Narbe erzählt eine Geschichte und zeigt wie stark eine Person ist und was sie durchgemacht hat.

Jedes Mal, wenn ich mich eincreme, bleibe ich ein bisschen länger bei meinem Bauch und ich massiere ihn mit Liebe und Achtung ein. Meine Tochter fragte mich einmal „Mama, wieso cremst du immer den Bauch länger ein?“. Ich sagte ihr „Schatz, der war so gut zu mir, der hat mir das beste im Leben geschenkt – sogar zweimal, jetzt ist er dran“. Seitdem bekomme ich sogar ab und zu Hilfe beim Bauch eincremen. Er hat sogar von den Kindern einen Namen bekommen; squishy(matschig) ;-).

Wir alle wollen, dass unsere Töchter starke und selbstbewusste Frauen werden – dies können wir nur erreichen indem wir gute Beispiele sind und ihnen zeigen wie schön es ist eine Frau zu sein. Meinen Sohn möchte ich auch zu einem richtigen Mann großziehen. Er soll Frauen respektieren und sie gut behandeln.

Als Frau und Mutter habe ich eines gelernt – erwarte nicht zuviel Bestätigung und Lob von den anderen. Erkenne deine Stärke und setze sie dort gezielt ein, wo sie dich weiterbringen. Ich bin glücklich, wenn ich eine Bestätigung, oder Lob bekomme – wenn ich keine bekomme, bin ich auch glücklich, denn ich weiß was ich kann und wie stark ich bin. Strahle Stärke und Selbstvertrauen aus und keiner wird sich trauen dich blöd anzumachen.

Die heutige Gesellschaft verlangt sehr viel von uns Frauen. Wir sollen perfekte Mamas sein(keine Mama ist sowieso perfekt), gute Ehefrauen, nach der Geburt gleich super schlank sein, usw. Wir sind mit Information überflutet, etwa wie wir unsere Kinder erziehen sollen, gute Ehefrauen sein sollen, oder wie wir nach der Geburt aussehen sollen. Was wir leisten ist eine unglaubliche und unbezahlbare Leistung. Wir brauchen diesen gesellschaftlichen Druck nicht. Fuck society ;-).

Sei einfach du selbst, vertraue deine weibliche Intuition. Wenn die eine Erziehungsmethode bei meiner Freundin funktioniert, heißt es nicht, dass es bei meinen Kindern auch funktioniert. Wenn meine Freundin mit einer Diät abnimmt, heißt es nicht, dass ich auch mit der gleichen Diät abnehme. Ich halte sowieso nichts von Diäten.

Lerne deinen Körper kennen und höre mehr auf ihn. Nehme die Ratschläge und Vorschläge dankend an. Aber, letztendlich vertraue auf deinen Bauchgefühl. Wir alleine sind verantwortlich für unsere Wohlbefinden und Glück. Weg mit den giftigen Menschen, die dich nicht weiterbringen, die Zeit dafür hast du nicht. Erwarte nicht, dass die anderen dich glücklich machen werden, wenn du dich selbst nicht glücklich machen kannst. Dasselbe gilt auch für die Liebe – liebe dich zuerst und du wirst automatisch Liebe aus deiner Umgebung spüren. Tue dir jeden Tag etwas Gutes, belohne dich, wenn du das Bedürfnis hast, denn du bist es wert!

In meinem Leben bin ich der wichtigste Mensch – diesen Satz sage ich sehr bewusst. Ich komme an der ersten Stelle, denn ich weiß, wenn es mir gut geht, geht es meinen Kindern auch gut. Wer allerdings glaubt, dass Kinder automatisch glücklich machen, ist falsch informiert. Die sind nicht unser Eigentum, unsere Aufgabe ist es, sie zu begleiten und  später sie fliegen zu lassen. Wenn du mit dir nicht im Reinen bist, kann keiner es schaffen dich glücklich zu machen.

Durch gesunde Ernährung, Bewegung, eine große Portion  Selbstvertrauen, gesunde und liebevolle Einstellung zu unserem Körper, sind will alle Göttinnen – egal welche Größe du trägst. Sei stark, sei schön, sei stolz, sei selbständig, sei einzigartig. Schäm dich niemals deine Kanten, Kurven, deine seltsamen und hässlichen Seiten mit stolz zu zeigen! Glücklich sind die, die sich selbst genügen.

Don´t ever be afraid to have some fun.

 

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Bis bald!

Eure Easter.

 

 

 

Kulturschock erleben um überleben zu können.

Dies ist die Kurzfassung des Beitrags.

Jedes Mal, wenn ich zurückblicke, wie ich nach Europa kam, muss ich schmunzeln :-). Was für einen Kulturschock!

Ich habe eine große Familie. Mein Großvater hatte fünfundzwanzig Frauen – Du hast richtig gehört – fünfundzwanzig! So etwas wie ein Königreich – und ich als Prinzessin in der Mitte! Hihi …
Jeder kann sich jetzt denken, wie groß meine Familie ist. Meine Großmutter war die dritte Frau meines Großvaters. Auf meinen Vater bin ich umso stolzer, als er nur eine Frau heiratete und bis zu seinem Tod ausschließlich an ihrer Seite war. Für mich ist er ein Held, weil er mit der Tradition meines Großvaters gebrochen hat.
Ich bin auch mit vier frechen Brüdern aufgewachsen. Mich durchzusetzen, lernte ich schon als Kind. Meine glückliche Kindheit war voller Liebe und Abenteuer.

Von klein auf sind wir schon mit verschiedenen Kulturen in Berührung gekommen. Mein Vater studierte Tiermedizin und war viel auf Reisen. Jedes Mal, wenn er von einem Land zurückkam, hat er uns von dessen Menschen und Kultur erzählt. Er sagte immer „Wenn Du willst, dass deine Kultur wahrgenommen und respektiert wird, musst du die andere Kultur auch respektieren!“.

Einmal als er aus Amsterdam zurückkam, erzählte er uns, wie bunt die Stadt und wie freundlich die Menschen wären. Ich war elf Jahre alt und ich beschloss schon damals, in Europa zu studieren und möglichst viele Sprachen zu erlernen. Elf Jahre später hörte ich dann von einem Au Pair Programm. Als Au Pair kommt man zu einer Familie und betreut die Kinder. Dafür bekommt man Taschengeld. Eine Familie war schnell durch eine Agentur im Internet gefunden. Deutschland hatte mich immer schon fasziniert. Autos „Made in Germany“, sehr gute Fußballer usw. – daher entschied ich mich für dieses Land.

Meine Gastfamilie hatte vier Kinder. Die Mutter war eine evangelische Priesterin, der Vater ein IT-Spezialist. Bessere Umstände konnte ich mir nicht vorstellen.
Da ich mit fünf Brüdern aufgewachsen war (und immer noch lebe – hihi);  war ich überzeugt, dass mich nichts aus der Bahn werfen könnte. Durchsetzungsvermögen und Selbstbewusstsein hatte ich reichlich. „Mit dieser Familie werde ich schon fertig“ dachte ich.

Als einziges Mädchen in meiner Familie von allem loszulassen war nicht leicht für mich. Meine Mama meinte damals „Ich habe dich gut erzogen, Du wirst schon klarkommen. Finde deinen Weg“. Was für eine kluge Mutter! Ein bisschen traurig war ich irgendwie darüber, dass mich meine Familie so leicht zu „entlassen“ schien. Aber heute bin ich froh, dass man mich gehen ließ.
„Kindern gibt man starke Wurzeln, wenn sie klein sind und später Flügel, damit sie alleine fliegen können“ sagte meine Oma. Sie stand mir sehr nahe. Sie betete für mich und segnete mich.

Jetzt aber zu meinem Kulturschock 😉

Ein paar Wochen später bin ich in den Flug hineingestiegen, mein Koffer war voller Hoffnungen und Aufregung. Das Essen im Flugzeug kannte ich nicht, daher aß ich auch nichts. Cola und Fanta trank ich aber reichlich ;-). Stunden später bin ich in Zürich gelandet. Was für einen Flughafen! Vor lauter Staunen und Schauen habe ich gar meinen Flug nach München verpasst. Die Dame am Schalter tröstete mich und organisierte mir einen Flug nach Frankfurt. Von dort sollte ich mit dem Zug nach München fahren. Ich – jung und naiv – glaubte, Frankfurt und München wären nur ein paar Kilometer auseinander und wenn ich den Zug verpassen würde, könnte ich zu Fuß gehen. Zu Fuß gehen „kann ich“. Ich bin viel gegangen in meiner Kindheit. Aber von Frankfurt nach München?

Meine Gastfamilie wartete schon am Flughafen München. Da ich kein Handy hatte, konnte ich sie aber nicht über „mein Abenteuer“ informieren. In Frankfurt gelandet, fing mein Albtraum damit erst an. Nicht nur, dass mir die Sprache völlig fremd war – von den Menschen will ich gar nicht sprechen. Die traurigen Gesichter und die Hektik sind mir in Erinnerung geblieben. Weil die Menschen nicht lachten, traute ich mich auch nicht, sie um Hilfe zu bitten. Ich hatte keine Ahnung wie Bahn fahren „funktionierte“ und wusste auch nicht, dass ich eine Fahrkarte brauchte. Schließlich hatte ich doch „Nairobi – München“ gebucht. Der Hunger meldete sich langsam – mein Magen knurrte. In diesem Moment vermisste ich meine Familie – vor allem meine großen Brüder, die mich sonst immer beschützt hatten. Ich Küken hatte die wärmste Jacke ausgepackt und Sportschuhe, ich kam im Februar – und trotzdem fror ich. Der „kenianische Winter“ ist halt eine anderer – 20 Grad Celsius unten und Schnee bestenfalls am Kilimandscharo. Der Hunger war noch stärker als die Kälte bedingte nicht Wohlbefinden.
Da fiel mein Blick auf einen schwarzen Mann. Noch nie vorher war ich so froh gewesen, einen schwarzen Mann zu sehen. Und er lächelte mich an – er lächelte! Hatte ich doch zuvor angenommen, in diesem Land wäre Lachen verboten. Ich bin auf ihn zu gerannt, habe ihn umarmt und fing an, bitterlich zu weinen. Der arme Kerl wusste zunächst gar nicht, was er mit mir machen sollte! Dass er Englisch sprach, machte die Sache dann aber ganz einfach – auch wenn wir unterschiedliche Akzente hatten.

In diesem Zusammenhang. – viele in Europa glauben, Afrika wäre „ein Land“. Ich wurde gefragt, welche Sprache man in Afrika sprechen würde – ob das etwa „Afrikanisch“ wäre.
Also erstens – diese Sprache existiert nicht. Afrika ist der zweitgrößte Kontinent mit fünfundfünfzig Ländern. Und nein – wir haben keine gemeinsame Kultur, keine gemeinsame Mentalität und schon gar keine gemeinsame Sprache. Wir wissen auch nicht gleich auf den ersten Blick, woher der „Schwarze gegenüber“ kommt. Wenn wir uns auf der Straße anlächeln, heißt das nicht, dass wir uns kennen. Wir müssen uns nicht kennen, um jemanden ein Lächeln zu schenken. Das steckt in uns drinnen 😉

Da ich zu aufgeregt war, konnte er mich auch nicht verstehen. Meine Angst war zu groß, um mich besser zu verständigen. Der Mann rief meine Gastfamilie an. Gott sei Dank war meine Gastmutter zuhause geblieben, da sie hochschwanger war. Plötzlich hielt ich eine Fahrkarte in der Hand. Es war wie Zauberei. Dabei hatte meine Gastgeberin doch nur online das Ticket gekauft und am Schalter ausdrucken lassen. Ich war zutiefst beeindruckt. Nur fünf Minuten später fuhr mein Zug ab. Ende gut, alles gut – dachte ich – wäre da nicht der große Hunger gewesen, der mich mittlerweile halb umbrachte. Der Schaffner würde auf mich warten – bis der Zug voll ist und ich mir zwischenzeitlich eine Kleinigkeit besorgt hätte – dachte ich mir. Gut, dass mein Retter noch bei mir war und mich darüber aufklärte, dass die Uhren in Deutschland anders ticken. „Willkommen in Deutschland“ sagte er „hier ist Pünktlichkeit das A und O!“ Er hatte Recht – denn plötzlich und auf die Minute genau fuhr der Zug ab. Mit so einem „Ding“ bin ich noch nie zuvor in meinem Leben gefahren. Der Zug war schnell wie ein Flugzeug – nur dass er am Boden fliegt.
Mein „Retter“ hatte mir noch zwanzig Euro mitgegeben. Selber hatte ich nur zehn Euro einstecken – eigentlich genug – aber nur in meiner alten Heimat 😉
Dort wo ich herkomme, ist es üblich, dass Essen durch fahrende Händler im Zug verkauft wird oder man kauft schnell etwas zum Knabbern übers Fenster, wenn der Zug einen Zwischenstopp einlegt. Dort kamen aber keine Händler vorbei und dort wo der Zug stehen blieb, warteten auch keine Händler. Ich habe gelitten wie ein Hund. Übrigens – auch in den nächsten Wochen habe ich den Zug dauernd verpasst, da ich weiterhin hoffte, dass der Schaffner warten würde, bis der Zug voll wäre. Ich lernte aber schnell und nach ein paar verpassten Züge und unnötig gewarteten Stunden bei tiefen Temperaturen im Winter fiel es mir rasch leicht, pünktlich zu sein.

In München wartete bereits meine Gastfamilie auf mich und ich war unheimlich froh, angekommen zu sein. Sie gaben mir einfach die Hand! Was sollte ich damit? Ich dachte, sie würden mich umarmen. Und eine Umarmung hätte an dieser Stelle dringend gebraucht. Dort wo ich herkomme, lieben wir den Körperkontakt. Umarmungen und eine Annäherung durch ein Klopfen auf die Schulter gehören dort zur Tagesordnung. Schon als Kinder wurden wir dauernd am Rücken getragen und so entsteht den Rhythmus. Unsere Mütter tanzten mit uns am Rücken – so wie auch ich meine Kinder gerne am Rücken getragen habe. Ich wollte, dass sie erfahren, wie schön und gesund Körperkontakt ist. Oft werde ich gefragt, wieso Afrikaner so gut tanzen können ohne eine Tanzschule zu besuchen. Jetzt ist das Geheimnis gelüftet ;-).  Ganz schüchtern gab ich meiner Gastfamilie die Hand und ich lernte zum ersten Mal “akzeptieren und respektieren“. Ich würde mich schon mit der europäischen Mentalität anfreunden – früher oder später. So what!

Zuhause bei der Gastfamilie angekommen, gab es zu Abend nur Brot! Was sollte das? Wo ich herkomme, heißen wir unsere Gäste mit einem Festmahl willkommen! Da ich diese Form des Brotes auch nicht kannte, gab ich mich mit Milch zufrieden und ging schlafen. Ein so reiches Land und ich hatte Hunger. In der Früh stand ich deshalb schon sehr zeitig in der Küche und plünderte gierig den Kühlschrank. Sogar das Brot, das ich nicht kannte, schmeckte mir auf einmal sehr gut.

Oh ich habe nicht erwähnt, dass ich nicht wusste wo mein Koffer war. Ich war völlig verwirrt. Als ich in München ankam, fragte mich mein Gastvater wo mein Koffer war – ich hatte keine Ahnung! Mein Gastvater machte ein paar Telefonanrufe und siehe da – er kam ein paar Tage später bei meiner Gastfamilie an! Wieder war ich sehr beeindruckt wie in diesem Land alles schnell lief.

So unterschiedlich wie afrikanische Länder sind, so unterschiedlich sind auch die europäischen Länder – eine Erfahrung, die ich später mit meiner Übersiedelung nach Österreich machen sollte. Obwohl Deutschland und Österreich Nachbarländer sind und eine gemeinsame Sprache pflegen, sind die Menschen mitunter ganz unterschiedlich.

Über diese Unterschiede, wie man damit umgehen kann und was man davon lernt – darüber schreibe ich in meinem nächsten Blog –  und auch darüber, wieso ich mich damals dafür entschied, doch in Österreich zu bleiben, wo ich doch dann meinen zweiten Kulturschock erlebte. Bei allen Gemeinsamkeiten ist der kulturelle Unterschied zwischen Deutschland und Österreich doch sehr groß.

Ein Kulturschock ist eigentlich nichts außergewöhnliches. Man muss nur mit ihnen vertraut werden.  Sie gehören zum Leben. Negative und positive Erfahrungen macht jeder jeden Tag. Nimm einfach die positive Erfahrungen mit, versüße die negative mit ein wenig Humor und marschiere weiter. Segne die Menschen, die dich verletzen und gehe Deinen Weg weiter.

Kulturschocks haben mich stark gemacht und ich möchte sie deshalb nicht vermissen. Lass Dich auch Du nicht daran hindern, die Menschen hier und ihre Kultur kennenzulernen. Denn die Österreicher sind genauso geschockt von der Andersartigkeit unserer eigenen Kultur.

Genießt den letzten Schnee. Der Frühling wird bestimmt bald kommen.

Bis bald!

Eure Easter.

P.S.: Die Österreicher sind eher verschlossen, wenn du wartest, dass sie auf dich zukommen, wirst du sehr lange warten. Wenn Du aber gleich auf sie zugehst, wirst du rasch erfahren wie herzlich und aufgeschlossen sie sind. Den ersten Schritt musst aber Du tun.