„Der schwarze Bub ärgert uns!“

Samaki mkunje angali mbichi – Ein Suaheli Sprichwort

Auf Deutsch übersetzt – Biege/Falte den Fisch, während er noch frisch ist.“

Hallo – alle miteinander,

letztes Jahr erzählte mir mein Sohn voller Begeisterung, „Mama, mein Freund und ich werden morgen in den Kindergarten das gleiche Hemd anziehen – und weißt du was? Die Tante wird uns nicht auseinander erkennen!“ Aha, dachte ich mir. Sein damaliger Freund war blond und hatte wunderschöne blaue Augen. Mein Sohn hat schwarze Locken und wunderschöne braune Augen. Sie haben es nicht einmal gemerkt, wie unterschiedlich sie sind. Wen interessiert es eigentlich?

Nelson Mandela hat einmal gesagt; „Niemand wird geboren, um einen anderen Menschen zu hassen. Menschen müssen zu hassen lernen und wenn sie zu hassen lernen können, dann kann Ihnen auch gelehrt werden zu lieben, denn Liebe empfindet das menschliche Herz viel natürlicher als ihr Gegenteil.“

Am Wochenende waren wir beim Maibaumaufstellungsfest in der Ortschaft. Wir leben seit ein paar Monaten in einer Ortschaft mit ungefähr 1500 Einwohnern. Ich liebe es am Land zu leben und es ist wunderschön bei uns im Ort. Viele Freunde haben mich damals gefragt, was ich am Land zu suchen habe. Sie machten sich Sorgen um uns und ich solle nach Wien umziehen. Meine Entscheidung stand aber schon fest.

So freundlich und herzlich sind wir aufgenommen worden. Ich habe gleich am Anfang meine Kinder mitgenommen und wir gingen von Nachbarn zu Nachbarn, um uns vorzustellen. In der Bäckerei und im Geschäft (Nah und Frisch) stellten wir uns auch vor. Wir besuchten Feste und machten fast überall mit. Ich liebe die österreichische Feste, das Zusammenkommen, miteinander plaudern, zwei drei Spritzer trinken, traditionelles Essen genießen – einfach herrlich!

Ehrlich gesagt, habe ich bis jetzt keine negative Erfahrungen in unserem neuen Heim gemacht. Mit meiner positiven Ausstrahlung werde ich sicher keine machen :-). In Kenia bin ich auch am Land aufgewachsen, mir gefällt die Gemeinschaft und der Zusammenhalt am Land. Hier grüßen sich die Leute noch und fast jeder kennt jeden. Ich wollte meinen Kindern diese Werte weiter vermitteln. Sie fanden auch sehr bald Freunde im Kindergarten und in der Schule. Bei so einer Plaudertasche als Mutter haben sie keine andere Wahl :-).

Zurück zum Maibaumfest;  die Kinder haben miteinander gespielt und es war ein wundervoller Abend. Später kam ein neun oder zehn jähriges Mädchen zu mir und sagte mir aufgeregt „der schwarze Bub ärgert uns!“ Ich war am Anfang durcheinander, denn ich habe nicht sofort erkannt, dass sie von meinem Sohn sprach. Sehr oft vergesse ich welche Hautfarbe ich habe, geschweige denn, die von meinen Kindern. Mein Sohn ist ein richtiger Lausbub muss ich zugeben, ihn sollte man mit Vorsicht verteidigen :-). Mich in Kinderkram einzumischen, ist auch nicht meine Art. Hier war ich jedoch gezwungen mich einzumischen, um das wunderschöne Mädchen beizubringen, dass es Menschen mit ihren Namen nennen soll, nicht mit ihren Hautfarben.

Meine Tochter saß neben mir und beobachtete aufmerksam die ganze Situation.  Ich habe das Mädchen gefragt wie es heißt, es mit ihrem Namen angesprochen und ihm dann gesagt, es soll „den schwarzen Bub“ fragen wie er heißt und ihn bitte mit seinem Namen nennen. Nachher sollen sie versuchen das Problem selber zu lösen. Ich liebe es, wenn Kinder miteinander reden und ihre Konflikte selber lösen können – sollten sie Hilfe brauchen, bin ich da. Aber, vorher sollen sie versuchen miteinander zu reden.

Der Satz hat mich zum Nachdenken gebracht. Ist die Hautfarbe wirklich so wichtig? Wie hätte ich anders reagieren können? Andererseits, wenn wir den Kindern den richtigen Weg nicht zeigen, wer denn sonst? Das Mädchen hat nicht gewusst wie mein Sohn heißt, trotzdem könnte es ihn einfach danach fragen.

Es kamen keine Beschwerden mehr und ich genoss den ganzen Abend. Die Kinder haben wunderbar miteinander gespielt. Zum Schluss verabschiedete sich das Mädchen sogar sehr liebevoll von meinem Sohn – „tschüss Joel“ :-). Ist es einfach nicht schön ein Kind zu sein? Wir dürfen das kindliche in uns nicht verloren gehen lassen.

Kinder sind brutal ehrlich und auch sehr leicht manipulierbar. Wann fangen wir an Vorurteile zu haben? Diese Frage beschäftigt mich seit langem. Meine Kinder haben mit ungefähr fünf Jahren angefangen Fragen zu stellen; wieso sie braun sind, wieso sie Locken haben, wieso die Mama schwarz ist und der Papa weiß ist. Jedes Kind ist neugierig und es ist wichtig ihnen die ganzen Fragen zu beantworten – denn sie werden öfters von den Schulkameraden, Freunden, oder wer auch immer, gefragt wieso sie so sind wie sie sind. Meiner Meinung nach braucht sich kein Mensch wegen seiner Hautfarbe, Augenfarbe, Haarfarbe usw rechtfertigen zu müssen.

Allerdings darf man auch die Realität nicht verschweigen. Mir ist auch wichtig ihnen zu erklären, dass es auch schlechte Menschen auf der Welt gibt, die versuchen werden, sie wegen ihrer Hautfarbe klein zu machen. Sie müssen lernen damit umzugehen. Sie für die Welt vorzubereiten, ist mir ein großes Anliegen – dass sie sich nicht unterkriegen lassen sollen und stolz auf ihre Wurzeln sein sollen, denn jeder Mensch ist was besonderes.

Du bist genug so wie du bist.

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Asiyefunzwa na mamaye hufunzwa na ulimwengu – Ein Suaheli Sprichwort.

Auf Deutsch übersetzt; Lehrt die Mutter dem Kind kein gutes Benehmen, tut es die Welt(und die kann brutal sein).

Bis bald!

Eure Easter.

 

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„Wie du das Kind erziehst, so wächst es auch auf.“

„Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf“. Ein afrikanisches Sprichwort

Hallo – alle miteinander,

als mein Vater starb, sah ich meine Mama das letzte Mal weinen. Dort wo ich herkomme, heulen wir bei den Beerdigungen die Augen aus dem Kopf. Es wird tagelang(mit kurzen Unterbrechungen) richtig und laut geheult. Daher ist nachher die Trauertherapie nicht nötig. Die Trauer wird schon durch das Weinen verarbeitet.

Nach der Beerdigung meines Vaters habe ich meine Mama nicht wieder weinen gesehen. Ich bin mit dieser starken großen Mutter aufgewachsen, die nie vor ihren Kindern weinte. Meine Mama hatte ihre Gründe und ich verurteile sie nicht. Sie war alleine mit fünf Kindern, davon vier Buben und musste stark sein.

Als ich meine Tochter bekam, sagte mir damals ihr Vater „Easter, es ist das erste Mal, dass ich dich weinen sehe.“

Jahre später als ich durch eine hässliche Scheidung ging und mit Emotionen voll geladen war, habe ich mich an diesen Satz erinnert. Ich habe nicht gemerkt, dass ich genauso bin, wie meine Mama – ja nicht vor den anderen weinen. Ich entschied mich jedoch dieses Verhalten aus meiner Kindheit bewusst zu unterbrechen und meine Gefühle fortan ganz offen zu zeigen.

Meinen Kindern wollte ich bewusst zeigen, dass ich ein Mensch mit Gefühlen bin und, dass es normal ist Gefühle zu zeigen. Ich bin stolz auf mich wie ich jetzt vor den Kindern richtig heulen kann. Einfach herrlich! Während der Scheidung haben wir viel zusammen geweint und es war gut so.

Meiner Meinung nach suchen uns die Kinder aus. Ich habe zu Hause ein neuen jähriges wunderschönes Mädchen. Dieses Kind ist stark, stur, frech und selbstbewusst – manchmal frage ich mich wer mir dieses Kind geschickt hat :-). Dann bin ich stolz auf mich, denn sie hat mich ausgesucht. Sie wusste, dass ich genauso stark, stur und selbstbewusst bin – und dass ich mit ihr umgehen kann. Ich habe auch einen Sohn der mir zum Geburtstag alles gute zum Muttertag wünscht und zum Muttertag alles gute zum Geburtstag wünscht. Und mir nachher sagt „Mama, du kriegst kein Geschenk, du bist eh gesund!“ Er hat mich auch ausgesucht, denn er wusste für die Mama ist die Gesundheit das wichtigste, nicht Geburtstag und Muttertag.

Wie oft habe ich am Abend ein schlechtes Gewissen, weil ich zu streng war oder mit ihnen zuviel geschimpft habe? Ja, ich kann richtig schimpfen, zwar laut.  Habe ich nachher ein schlechtes Gewissen? Oh doch! Danach schleiche ich mich in ihre Zimmer hinein und decke sie mit Küssen ab. Ein schlechtes Gewissen zu haben ist normal und ist erlaubt, sonst wären wir nicht menschlich.

Kinder brauchen Grenzen und es ist unsere Aufgabe sie zu begleiten und ihnen den richtigen Weg zu zeigen. Ich habe diese Woche mit meiner Freundin sehr lange über dieses Thema gesprochen und ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass ich mir meine Kinder ohne Grenzen nicht vorstellen kann. Mein Sohn würde sich in Süßigkeiten baden, von meiner Tochter will ich gar nicht reden.  Ich bewundere Eltern, die ihre Kinder ohne Grenzen großziehen. Jedem das seine. Wenn es für sie funktioniert, wunderbar. Für mich funktioniert es nicht.

Ein Beispiel vom letzten Jahr; mein Sohn brüllte einmal im Supermarkt so laut, weil er ein Spielzeug wollte und ich es in dem Moment nicht leisten könnte. Dies habe ich ihm auch ganz ruhig erklärt. Er hat mich sogar bedroht, dass er beim Papa wohnen will, wenn er das Spielzeug nicht bekommt. Übrigens, ich liebe es wie Scheidungskinder die Grenzen testen, genial erpressen können und sehr oft versuchen die Eltern gegeneinander auszuspielen. Darüber schreibe ich in meinem nächsten Beitrag.

Natürlich haben schon Menschen im Supermarkt geschaut, was für eine brutale Mutter ich bin. Stört mich das? Ehrlich gesagt, nein. Hat er das Spielzeug bekommen? Sicher nicht. Ich habe ihm gesagt, wenn er mit Weinen fertig ist, warte ich draußen auf ihn und zum Papa kann er auch zu Fuß gehen, wenn er möchte. Er weiß, dass ich diese afrikanische Gelassenheit habe und stundenlang warten kann. Nach drei Minuten ist er raus gekommen und mir gesagt „Mama, ich bin mit Weinen fertig.“

Fast jeden Tag mache ich Fehler. Ich lerne von meinen Fehlern und versuche sie nicht zu wiederholen. Wie kann ich mich verbessern und mich weiterentwickeln ohne Fehler und Kritik?

Am Donnerstag zum Beispiel haben meine Kinder einfach die Jause zu Hause vergessen. Beide Jausen lagen am Tisch und sie spazierten einfach hinaus. Ich habe schon einmal die Jause in die Schule nach gebracht. Am Donnerstag habe ich mich geweigert, wie eine Wahnsinnige in die Schule zu fahren.

Nein, ich bin nicht ihre Dienerin und den Haushalt wird auch zusammen erledigt. Zu mittag sind sie nach Hause gekommen, meine Tochter kurz vorm verhungern. Mein Sohn, der alles für das Essen tun würde, hatte von seinen Freunden was bekommen. Habe ich den ganzen Vormittag ein schlechtes Gewissen gehabt? Aber wie! Sie müssen lernen Verantwortung zu übernehmen. Ich habe keine Lust wie eine Hexe durch die Gegend zu fliegen. Ein Tag ohne Jause überleben sie. Ich bin mir sicher die Jause wird nicht wieder vergessen :-).

Wie oft hole ich meine Kinder von der Schule ab und mir wurde gesagt wie brav sie sind? Kaum zu Hause, fängt schon das Drama an und ich frage mich wo ich die brave Kinder zurückgelassen habe? Sie können wie die Hähne streiten, wehe gehe ich dazwischen, kommt schnell „Mama, misch dich nicht ein“! Super!

Einmal als ich mich bei meiner Mama bedankt habe, dass ich noch lebe und mich beschwert habe wie die Kinder manchmal streiten, sagte sie mir nur  „sei froh, dass sie zu Hause schlimm sind, das heißt sie fühlen sich wohl neben dir. Sie wissen du kannst damit umgehen, denn in der Schule müssen sie meistens brav sein und folgen, irgendwann geht ja nicht mehr“. Danke Mama. Ich fühle mich auch sehr wohl neben ihnen :-).

Streiten kann gelernt werden. Daher freue ich mich, wenn sie streiten. So lernen sie Konflikte zu lösen. Hauptsache sie halten zusammen, beleidigen sich nicht und schätzen, dass sie sich haben. Als Kind, wenn meine Mama mit mir schimpfte, sagte sie sehr oft „ich schimpfe mit deinem Verhalten, dich liebe ich genauso wie vorher“. Bei Auseinandersetzungen zwischen uns,  versuche ich meinen Kindern klar zu machen, dass ich das Verhalten und nicht sie verurteile. Von meiner Oma habe ich auch gelernt möglichst viel Körperkontakt beim streiten zu halten, egal mit dem Kind oder mit dem Partner. So wird die Liebe zwischen euch nicht unterbrochen und du sagst nicht die Wörter die du später bereust und die verletzen können.

In letzter Zeit merke ich, dass meine Kinder nicht mehr hinter mir gehen, sondern neben mir. Sie erziehen mich und ich lerne unglaublich viel von ihnen. Das gegenseitiges Loslassen hat schon begonnen. Sie übernehmen mehr die Verantwortung und werden selbständiger. Die Kindheit prägt uns und beeinflusst unser Leben. Es ist unsere Entscheidung bewusst das mitzunehmen was uns gut tut, und abzulegen, was uns nicht gut tut.

Du bist die beste Mutter für dein Kind, dein Kind weiß es, du hoffentlich es auch. Sei stolz, dass es dich ausgesucht hat, denn du bist gesegnet. Sei nicht zu hart zu dir. Hilfe anzunehmen, heißt nicht, dass du schwach und überfordert bist. Nicht nur du Mama macht alles besser und hat alles unter Kontrolle – die anderen können genauso so gut sein. Ich genieße es, wenn ich zweimal in der Woche laufen gehe und zwar alleine – oder wenn ich ab und zu im Kaffeehaus sitze und ein großes „Heiße Liebe“ Eis bestelle, entweder alleine oder mit Freunden. Habe ich da ein schlechtes Gewissen? Ehrlich? Nein.

Ein Suaheli Sprichwort; kuzaa sio kazi, kazi ni kulea.

Auf Deutsch übersetzt; ein Kind zu bekommen, ist keine Arbeit, es zu erziehen, ist die Arbeit.

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Bis bald!

Eure Easter.

 

 

 

 

 

Die Weisheit, die im Herzen eingeschlossen ist, gleicht dem Licht in einem Krug.

„Du hast drei Freunde auf der Welt: Mut, Verstand und Weisheit“. Ein afrikanisches Sprichwort.

Hallo – alle miteinander,

meine Oma starb vor drei Jahren mit einhundertdrei Jahren. Sie war eine Hebamme, eine Mediatorin und eine begabte Medizinfrau, die vielen Menschen half. In den Ferien besuchte ich sie sehr gerne und verbrachte wunderschöne Tage mit ihr. Nichts brachte mir mehr Freude, als mit ihr am Abend am Lagerfeuer zu sitzen und ihre geheimnisvolle weise Geschichten zu hören.

Wir hatten einen Platz am Fluss, wo die Mädchen sich jeden Tag am nachmittag in den Ferien gesammelt haben und von meiner Oma „Mädchenunterricht“ bekamen. Ich bin damals fast vor Stolz geplatzt, dass ich so eine kluge Oma hatte!

Sie lehrte mir wie wichtig es ist sich zu lieben, als Frau meinen Körper zu ehren und ihn zu respektieren –  ihn richtig kennen zu lernen, auf ihn zu achten und richtig zu hören was er mir sagt. Von ihr lernte ich wie wichtig es ist, einen gesunden Bezug zu meinem Körper zu haben, denn wer seinen Körper liebt, möchte nur gutes für ihn tun. Wir aßen stundenlang miteinander und sie sagte mir einmal, „wer gesundes Essen genießt, sich reichlich bewegt und sich liebt, hat nie Probleme mit seinem Gewicht“. Diese Weisheit gebe ich meinen Kindern gerne weiter, sie ist zu wertvoll um verloren zu gehen.

Es macht mich bis heute sehr traurig, dass meine Kinder sie nie kennen lernen dürften. Als ich mit den Kindern vor zwei Jahren nach Kenia flog, war sie bereits gestorben. Sie war eine wunderbare Frau, ihre Weisheit war unermesslich. Ihre Geschichten erzählte meine Mama meinen Kindern weiter, als wir sie besuchten. Was für ein tolles Gefühl meine Kinder am Lagerfeuer mit meiner Mama zu sehen – genauso wie damals mit meiner Oma!

Was gibt es besseres als das Wissen direkt von der Quelle zu erhalten? Die alte Generation hat das Wissen und sie gibt es gerne weiter, wenn man ihr die Chance gibt. In meiner Ortschaft sind die ältere Menschen die wichtigsten Leute. Wir rennen zu ihnen, wenn wir Probleme haben, oder Ratschläge brauchen. Sie sind unsere Verbindung zu den Göttern. Die ganze Ortschaft kümmert sich um sie. Es ist die Aufgabe der Jugend nach den alten zu schauen, ob sie was brauchen, schon gegessen haben, oder nur plaudern möchten. Dies sei egal, ob du mit ihm/ihr verwandt bist. Ich bin in der Nähe vom Viktoriasee geboren, damals besuchten wir gerne ältere Menschen, um einfach von ihnen zu lernen.

Die Altersheime lernte ich erst in Europa kennen. Wieder ein Schock für mich in der neuen Heimat. Mit der Zeit verstand ich die Hintergründe, wieso die ältere Menschen in den westlichen Ländern in die Heime gebracht werden. Das Leben hier ist teurer, meistens arbeiten beide Elternteile, um das Leben leisten zu können. Wer sollte sich um sie kümmern? Außerdem ist das Gesundheitssystem hier viel besser und das Personal in den Heimen werden gut bezahlt, dass sie halbwegs eine gute Arbeit machen. Daher verurteile die Altersheime nicht, sondern sehe sie einfach, als ein Teil der westlichen Kultur.

Jedoch fehlt mir hier der Respekt den Alten gegenüber. Wie oft habe ich schon im Zug erlebt, dass junge Menschen sitzen bleiben während eine ältere Dame oder ein alter Herr steht? Dieses Verhalten finde ich sehr traurig und es bricht mir jedes Mal das Herz. Ich kann es nicht zusehen, sehr oft fordere ich sie aufzustehen, um den Platz frei zu machen. Manchmal habe ich Erfolg, manchmal nicht. Als Mutter kann ich nur meinen Teil beitragen indem ich meinen Kindern beibgringe, ältere Menschen zu respektieren und sie mit Würde zu behandeln, denn wir sind alle auf dem Weg dorthin, ob wir es wollen oder nicht – und als Beispiel voranzugehen. Schließlich möchten wir auch mit Respekt behandelt werden, wenn wir alt und gebrechlich sind.

Als ich hier kam, lernte ich die Geschichte Europas von der älteren Generation. Der Weltkrieg war für mich ein großes Phänomen. Wie konnte so was passieren? Es war sehr spannend direkt von den Überlebenden zu erfahren, wie sie den Krieg erlebt haben und was wir, die junge Generation machen können, dass so was nicht wieder passiert. Bis heute bete ich jeden Tag, dass die Menschen nicht denselben Fehler wieder machen und nie aufhören miteinander zu reden, denn reden ist einander lieben.

Jedes Mal, wenn meine Kinder Zeit mit der Oma oder mit der Uroma verbringen, freue ich mich sehr. Denn es gibt nur Vorteile, sofern die Beziehung zwischen ihnen gesund ist. Wenn ich die Jugend von heute ansehe, bin ich sehr verzweifelt. Von Respekt und alte Werte haben sie nichts übrig – die Lehrer werden mit Vornamen genannt, es wird laut über die Mutter im Zug gelästert und geschimpft, habe ich vor kurzem im Zug erlebt. Kann es sein, dass sie zu Hause keine Aufmerksam bekommen und diese woanders suchen? Was machen wir falsch? Diskutieren wir zuviel mit ihnen und geben ihnen zuviel Freirraum? Setzten wir die Grenzen nicht klar genug? Sind es die Computerspiele zu Hause, oder die Handys? Kann es sein, dass wir die Erziehung den Lehrern überlassen? Ich bin sowieso der Meinung, dass Erziehung zu Hause entsteht und nicht in der Schule.

Lassen wir unsere Kinder wieder mit der älteren Generation zusammenkommen. Lassen wir sie voneinander lernen. Ich bin fest davon überzeugt, dass sie dadurch wieder auf dem richtigen Weg kommen werden. Ich bin mir sicher die goldene Generation haben nichts dagegen. Wie sagte meine Oma so schön? Allein essen ist wie allein sterben. Lassen wir sie nicht allein essen.

„Gehe ich vor dir, dann weiß ich nicht, ob ich dich auf den richtigen Weg bringe.
Gehst du vor mir, dann weiß ich nicht, ob du mich auf den richtigen Weg bringst.
Gehe ich neben dir, werden wir gemeinsam den richtigen Weg finden“.

Genießt den Frühling!

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Eure Easter.

Bis bald!

„Was machst du beruflich?“

20180406_182200[1]„Durch positive Energie und positive Ausstrahlung entsteht die innere Zufriedenheit.“

Hallo – alle miteinander

Endlich komme ich dazu, über die kulturelle Unterschiede zwischen Deutschland und Österreich zu schreiben.  Obwohl die Menschen dieselbe Sprache sprechen, musste ich aus eigene Erfahrung feststellen, dass es doch Unterschiede in der Mentalität und in der Denkweise gibt.

Ich liebe beide Länder, ich besuche sehr gerne Freunde in Deutschland und liebe die Offenheit und die kulturelle Vielfältigkeit.

So erinnere ich mich manchmal an meine Zeit in Bayern zurück. Meine Gastfamilie war in einer Ortschaft namens Dorfen zu Hause. Die Sprache war anfänglich sehr gewöhnungsbedürftig. Mir kam es so vor als würden die Leute beim Reden bellen. Ich hatte Schwierigkeiten die Leute zu verstehen. Mit der Zeit lernte ich aber sogar, verschiedene Dialekte zu verstehen. Irgendwann hatte ich es geschafft, die Eigenheiten der Sprache zu adoptieren und es machte es mich stolz, selbst bellen zu können :-).

Als Au Pair Mädchen hatte ich jedes Wochenende frei.  Mein Gastvater spendete mir  jedes Wochenende eine Fahrkarte, um mich mit der Region vertraut zu machen. Ich reiste durch das ganze Land, besuchte Freunde, lernte interessante Menschen und Städte kennen – und natürlich die Sprache.

So kam es, dass ich eines Tages beschloss, das berühmte Oktoberfest aufzumischen. Was soll ich euch sagen? Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich am eigenen Leib erfahren was es bedeutet mit Gedächtnislücke konfrontiert zu sein. Es ist mir daher heute nicht möglich vollständigen Bericht über das Oktoberfest zu verfassen. In dieser Zeit war ich froh, meine russische Freundin als Begleiterin bei mir zu haben. Ein besseres Navigationssystem kann ich mir nicht vorstellen.

Meiner Gastmutter habe ich  zu verdanken, dass sie mich mit vielen jungen Leuten bekannt gemacht hat, die mich am Abend zu Veranstaltungen mitnahmen. Das war sehr hilfreich. Ich durfte Deutschland dabei als sehr offen und tolerant gegenüber Ausländern kennen lernen. Die anfänglich als sehr distanziert erlebte Art, miteinander umzugehen, störte mich auf einmal nicht mehr. Dabei ich nur zu gut in Erinnerung wie die Leute Platz machten, nur um mit jemand anderen nicht in Berührung zu kommen.

Den Deutschen empfand ich zwar als sehr direkt, keinesfalls aber hinterlistig. Er sagt einfach, was er von dir hält. Diese Eigenschaft fehlt mir in Österreich. Anstatt jemanden auf Fehler aufmerksam zu machen, machen sie sich manchmal über jemanden lustig oder beginnen zu lästern.

Nach meinem Jahr in Deutschland wollte ich weitere Sprachen lernen. Mein Plan war, je ein Jahr in Deutschland, in Frankreich und in Spanien zu verbringen. Dann wollte ich nach Kenia zurückkehren. Wie sagt man so schön – „Im Leben kommt es immer anders als geplant.“.  So fand ich eine nette Familie in Österreich und dachte mir „wieso nicht?“. Ich war noch jung, wollte aber meinen Plan nicht verwerfen, um ihn später umzusetzen. Österreich kannte ich vorher überhaupt nicht – ich hatte noch nie von diesem Land gehört. Meinen Neugier war geweckt. Ich las viel über die Geschichte Österreichs, über seine berühmten Komponisten, die Leidenschaft des Skifahrens und die typisch österreichisch Küche. Ich war fasziniert und wollte rasch aufbrechen.

Die Berge liebe ich genauso wie die verschiedenen Dialekte mit denen ich noch vertraut werden sollte – ebenso wie das traditionelle Essen, die Musik und die Kultur. Bis heute habe ich von der Begeisterung von dem Land nichts verloren – egal ob ich daheim bin, oder beispielsweise in Tirol oder Salzburg unterwegs bin. Schade, dass es trotzdem noch Menschen gibt, die die Schönheit des Landes nicht genug zu schätzen wissen. Viel lieber verlagern sie sich aufs Jammern und Raunzen, was mich immer wieder zu einem Schmunzeln hinreißt – etwa dann, wenn sich dadurch Stimme und Körperhaltung ändern. Unglaublich wie „professionell“ vor allem der Wiener jammern kann. Das ist schon ziemlich einmalig. Am Anfang hatte ich zwar gewaltig damit zu kämpfen – aber letztendlich akzeptierte ich das Raunzen als Bestandteil der Kultur. Immerzu dachte ich „Die Leute haben doch alles. Es geht ihnen gut. Was wollen sie denn noch mehr?“. Es scheint, als wäre das Raunzen den Österreichern genauso wichtig wie uns Afrikanern das Lachen. Auch wenn ich angepasst habe und das Raunzen irgendwo akzeptiert habe – annehmen möchte ich es niemals.

Mit den Witzen ist das auch so eine Sache. Ich war äußerst erstaunt zu erfahren, dass man sich hier Witze über Menschen aus anderen Kulturen erzählt. Dort wo ich herkomme, gibt es keine Witze über weiße Leute, oder anders farbige. Wieso denn auch? Wir sind anderen Kulturen gegenüber sehr freundlich eingestellt. So waren Gäste aus dem Ausland bei uns immer willkommen. Und wie wir die Gäste liebten! Wir hatten uns immer darüber gefreut, wenn jemand vorbei kam. Dabei nehmen wir die Menschen so wie sind. Sie ändern zu wollen oder Witze über sie zu machen, käme uns nicht in den Sinn. Und hier? Einer der ersten Witze, die man mir erzählte, war ein „Neger-Witz“ – und wie Chinesen und Indianern „funktionierten“, sollte ich auch rasch erfahren. Ob die Leute Witze über anderen nur machen, weil ihnen langweilig ist?

Mein erstes Erlebnis beim Notar in Österreich war ebenfalls einmalig. Die Sekretärin sprach immer zu von einem Herrn Magister.  „Der Herr Magister kommt gleich.“, „Der Herr Magister kann Sie jetzt empfangen“, usw. Ich fragte mich, ob Magister sein Vorname oder sein Familienname wäre. Später erfuhr ich dann, wie wichtig ein Titel in Österreich ist. Überall traf man auf Frau oder Herr Magister, auf Herrn Doktor oder einen BA (Bachelortitel)! „Titelwahn“ war mir bis dahin eine unbekannte Krankheit. Bis heute muss ich schmunzeln, wenn ich einen Herren oder eine Frau Magister kennen lerne. Andere Länder, andere Sitten ;-).

„Was machst du beruflich?“ wurde mir oft als erste Frage gestellt, wenn ich jemanden kennen lernte. Das schien wichtiger zu sein, als nach meinem Namen zu fragen. Irritiert war ich deshalb, weil ich nicht über meinen Beruf definiert werden wollte, sondern ich mir erwartete, dass man sich für meine Persönlichkeit interessiert. Heute stelle ich mich als erste mit Namen und Beruf vor und die Frage ist geklärt.

Ich könnte noch viel mehr über die kulturelle Unterschiede berichten – aber das würde an diese Stelle den Rahmen sprengen. Jedes Land hat seine eigene Kultur und eigene Werte, die man genauso respektieren sollte, wie den spezifischen Charakter eines Menschen. Alle in einen Topf zu werfen, finde ich nicht richtig. Lerne erst einen Mensch kennen – und dann urteile über ihn.

Lernen wir uns anzupassen. Wir dürfen uns nicht erwarten, dass der Gastgeber sich uns anpasst.  Wünschen wir uns nur, dass er uns zumindest freundlich gesinnt ist. Lasst uns viel mehr mit Humor nehmen und das Leben trotz seiner manchmal unwillkommenen Überraschungen genießen. Wir alle sind Gäste auf dieser Welt, wir kommen und gehen und vor allem „keiner kommt lebendig hier raus:“ :-).

Vergessen wir auch nicht, dass sich jede Kultur mit der Zeit auch ändert – ob wir es wollen oder nicht –  sei es durch Einflüsse von außen oder von innen. Nichts bleibt gleich und ich bin mir sicher – unsere Kinder werden bald eine andere Kultur finden, als wir heute. Dazu bedarf es nur einer Portion Toleranz und Respekt.

 

Bis bald!

Eure Easter.

 

 

Jede Blume hat ihren Duft….

„Geht es der Frau gut, geht es uns allen gut“. Ein afrikanisches Sprichwort.

Hallo – alle miteinander,

dieser Beitrag ist besonders an Frauen gerichtet, aber auch an Männer, die Frauen schätzen und respektieren.

Du bist einzigartig und stark, glaube an dich. Tue, so oft es geht, Dinge, die dir Spaß und dich glücklich machen. Lächle oft, denn wer lächelt, fühlt sich auch besser. Lass dir nicht von anderen den Tag verderben. Deine Vorzüge solltest du mit Stolz betonen und ärgere dich nicht über Kleinigkeiten. Bewahre Haltung, Kopf hoch, Kinn gerade, so eroberst du die Welt!

Nach zwei Buben wurde ich geboren. Mein Vater nannte sein erstes Mädchen „Achieng´“. „Chieng´“ heißt Sonne auf meiner Muttersprache. Ich blieb das einzige Mädchen in der Familie und genoss es ein Mädchen zu sein. Ich sah mich als was besonderes und bis heute genieße ich es eine Frau zu sein. Wie ich es liebe eine Frau zu sein! Als ich meine Tochter bekam, war ich überglücklich und ich nannte sie „Zawadi“. Zawadi heißt ein Geschenk auf Suaheli.

Ich verurteile jegliche Art vom sexuellen Missbrauch und ich finde es als Privileg, in einem Land leben zu dürfen, wo Frauen und Männer gleiche Rechte haben. Ich  bin für gleiche Löhne bei der gleichen Arbeit zwischen Männern und Frauen. Jedoch will ich nicht so sein wie ein Mann.

Meiner Meinung nach entmannt die übertriebene Emanzipation die Männer.  Irgendwann haben wir nur Männer, die sich nicht einmal trauen eine Frau anzusprechen, geschweige denn anzuschauen – Männer die mit gesenkten Häuptern herum laufen.  Lassen wir sie einfach Männer sein und genießen wir unsere Weiblichkeit in vollen Zügen.

Seien wir mal ehrlich – Frauen und Männer sind unterschiedlich und dieser Unterschied wird immer geben. Deswegen ist die Welt ja so schön und bunt. Stellt euch vor es gäbe nur Männer, oder nur Frauen auf der Welt. Was für eine schreckliche Vorstellung!

Eine selbstbewusste starke Frau will nicht so sein wie ein Mann, sie kämpft auch nicht danach. Wir sind wunderschön und einzigartig. Wir sind diejenigen die Kinder tragen, gebären und stillen  können. In dieser Hinsicht gibt es sicher ein paar Männer, die uns unheimlich beneiden ;-). Stellt euch vor, Männer würden Kinder bekommen – die ganze Menschheit wäre schon ausgestorben ;-). Mein Sohn stirbt gleich am ersten Tag, wenn er nur ein bisschen Fieber hat.

Mir zum Beispiel kommt sehr oft vor, als würden wir uns ständig mit den Männern vergleichen. Dass wir für unsere Rechte kämpfen, ist gut. Fangen wir jedoch an, uns ständig mit den Männern zu vergleichen, haben wir schon verloren. Es wird Zeit, dass wir uns lieben so wie wir sind, uns gegenseitig unterstützen, statt uns mit Neid und Eifersucht zu bekämpfen. Männer sind nicht unser Problem, sondern wir selbst. Ich bin mit vier Brüdern aufgewachsen und ich weiß wovon ich spreche. Männer unterstützen sich, verraten sich ganz selten, vergeben schnell und sind meistens nicht nachtragend. Es ist nicht notwendig, die Laterne eines anderen auszublasen, damit die Eigene heller scheine.

Ich bin mit starken Frauen aufgewachsen. Meine Tanten sind laut, kurvig und selbstbewusst. Ich nenne sie liebevoll „Vollweiber“. Bis heute ist meine Mutter mein Vorbild und sie wird es immer bleiben. Sie ist eine starke Frau die fünf Kinder, nachdem mein Vater gestorben ist, alleine großgezogen hat. Ich bevorzuge Vorbilder, die ich gut kenne und die mich jeden Tag beeindrucken.

Ich würde immer wieder als Frau zurück kommen wollen. Ich würde noch einmal meine wunderschöne breite afrikanische Nase wählen, meinen „stockerl“ wunderschönen afrikanischen Po. Oh sogar meinen schwabbeligen Bauch, den ich nach zwei großen Kindern bekommen habe, würde ich haben wollen. Einfach alles!

Wer definiert wie wir schön sein sollen? Wir selbst! Ich liebe meine Schwangerschaftsstreifen und meine Kaiserschnittsnarbe. Ich trage Bikinis mit Stolz und falls meine Schwangerschaftsstreifen wen stören, ist es nicht mein Problem. Jede Narbe erzählt eine Geschichte und zeigt wie stark eine Person ist und was sie durchgemacht hat.

Jedes Mal, wenn ich mich eincreme, bleibe ich ein bisschen länger bei meinem Bauch und ich massiere ihn mit Liebe und Achtung ein. Meine Tochter fragte mich einmal „Mama, wieso cremst du immer den Bauch länger ein?“. Ich sagte ihr „Schatz, der war so gut zu mir, der hat mir das beste im Leben geschenkt – sogar zweimal, jetzt ist er dran“. Seitdem bekomme ich sogar ab und zu Hilfe beim Bauch eincremen. Er hat sogar von den Kindern einen Namen bekommen; squishy(matschig) ;-).

Wir alle wollen, dass unsere Töchter starke und selbstbewusste Frauen werden – dies können wir nur erreichen indem wir gute Beispiele sind und ihnen zeigen wie schön es ist eine Frau zu sein. Meinen Sohn möchte ich auch zu einem richtigen Mann großziehen. Er soll Frauen respektieren und sie gut behandeln.

Als Frau und Mutter habe ich eines gelernt – erwarte nicht zuviel Bestätigung und Lob von den anderen. Erkenne deine Stärke und setze sie dort gezielt ein, wo sie dich weiterbringen. Ich bin glücklich, wenn ich eine Bestätigung, oder Lob bekomme – wenn ich keine bekomme, bin ich auch glücklich, denn ich weiß was ich kann und wie stark ich bin. Strahle Stärke und Selbstvertrauen aus und keiner wird sich trauen dich blöd anzumachen.

Die heutige Gesellschaft verlangt sehr viel von uns Frauen. Wir sollen perfekte Mamas sein(keine Mama ist sowieso perfekt), gute Ehefrauen, nach der Geburt gleich super schlank sein, usw. Wir sind mit Information überflutet, etwa wie wir unsere Kinder erziehen sollen, gute Ehefrauen sein sollen, oder wie wir nach der Geburt aussehen sollen. Was wir leisten ist eine unglaubliche und unbezahlbare Leistung. Wir brauchen diesen gesellschaftlichen Druck nicht. Fuck society ;-).

Sei einfach du selbst, vertraue deine weibliche Intuition. Wenn die eine Erziehungsmethode bei meiner Freundin funktioniert, heißt es nicht, dass es bei meinen Kindern auch funktioniert. Wenn meine Freundin mit einer Diät abnimmt, heißt es nicht, dass ich auch mit der gleichen Diät abnehme. Ich halte sowieso nichts von Diäten.

Lerne deinen Körper kennen und höre mehr auf ihn. Nehme die Ratschläge und Vorschläge dankend an. Aber, letztendlich vertraue auf deinen Bauchgefühl. Wir alleine sind verantwortlich für unsere Wohlbefinden und Glück. Weg mit den giftigen Menschen, die dich nicht weiterbringen, die Zeit dafür hast du nicht. Erwarte nicht, dass die anderen dich glücklich machen werden, wenn du dich selbst nicht glücklich machen kannst. Dasselbe gilt auch für die Liebe – liebe dich zuerst und du wirst automatisch Liebe aus deiner Umgebung spüren. Tue dir jeden Tag etwas Gutes, belohne dich, wenn du das Bedürfnis hast, denn du bist es wert!

In meinem Leben bin ich der wichtigste Mensch – diesen Satz sage ich sehr bewusst. Ich komme an der ersten Stelle, denn ich weiß, wenn es mir gut geht, geht es meinen Kindern auch gut. Wer allerdings glaubt, dass Kinder automatisch glücklich machen, ist falsch informiert. Die sind nicht unser Eigentum, unsere Aufgabe ist es, sie zu begleiten und  später sie fliegen zu lassen. Wenn du mit dir nicht im Reinen bist, kann keiner es schaffen dich glücklich zu machen.

Durch gesunde Ernährung, Bewegung, eine große Portion  Selbstvertrauen, gesunde und liebevolle Einstellung zu unserem Körper, sind will alle Göttinnen – egal welche Größe du trägst. Sei stark, sei schön, sei stolz, sei selbständig, sei einzigartig. Schäm dich niemals deine Kanten, Kurven, deine seltsamen und hässlichen Seiten mit stolz zu zeigen! Glücklich sind die, die sich selbst genügen.

Don´t ever be afraid to have some fun.

 

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Bis bald!

Eure Easter.

 

 

 

Es ist nicht alles Gold, was glänzt.

„Um alt und weise zu sein, muss man jung und dumm gewesen sein.“ sagt ein Sprichwort.

Hallo – alle miteinander 🙂 Hier bin ich wieder.

In meinem letzten Blog habe ich versprochen, über die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und Österreich zu berichten, die ich selber erlebt habe. Obwohl dieselbe Sprache gesprochen wird, sind die beiden Länder doch zu unterschiedlich, um sie über einen Kamm zu scheren. Ich wollte euch eigentlich erzählen, wie ich mit dieser Unterschiedlichkeit zurecht gekommen bin und was ist daraus gelernt habe. Allerdings gibt es ein Thema, das mich schon lange Zeit beschäftigt – die Schattenseite Europas. Ich habe mich daher entschlossen, dies zum Thema dieses Blog-Eintrages zu machen.

Die Entwicklungsländer verlieren jeden Tag fleißige und gebildete Menschen, weil sie im eigenen Land nicht dieselben Chancen vorfinden wie im „goldenen“ Europa oder in einem anderen hoch entwickelten Land. Diese Wirtschaftsflüchtlinge nehmen fälschlicherweise an, dass das Leben auf der anderen Seite nur schöner und besser wäre. Meiner Meinung nach werden genau diese Menschen dringend für den Aufbau und die  Weiterentwicklung dieser Länder gebraucht.

In den Entwicklungsländern wird zumeist ein Bild das schönen Europa gezeichnet. Die gleichen Medien äußern sich auf der anderen Seite zu negativ über das Leben in den Entwicklungsländern. Dass es in Europa auch viele arme Leute – sogar Obdachlosen und Menschen, die psychisch erkrankt sind – wird dabei nicht erwähnt – ebenso wie – die Menschen hier sehr hart arbeiten, um sich das Leben im Wohlstand leisten zu können. Das trifft insbesondere auf die Nachkriegsgeneration zu. Sie sind im Land geblieben, um zu arbeiten und ihren Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Auch ich dachte, dass das Leben in Europa ein leichtes Spiel wäre. Wie falsch ich doch gelegen bin!

An alle Migranten die jetzt schon in Europa leben – „Lasst uns Europa aus einem realistischen Blickwinkel betrachten.“.
Hören wir auf, falsche Geschichten zu erzählen und falsche Bilder zu zeichnen. Man muss nicht ausgerechnet nach Europa kommen, um ein besseres Leben führen zu können. Das „schöne Leben“ kann man genauso gut anderswo realisieren – Hauptsache man packt an und glaubt an sich.
Ganz ehrlich – hätte ich Europa seinerzeit so gekannt wie heute, wäre ich erst gar nicht nach Europa gekommen, sondern daheim geblieben. Ob ich das im Nachhinein bereue? Nein – denn meine anfänglichen Integrationsschwierigkeiten sind mittlerweile der Begeisterung für den Kontinent gewichen. Dazu musste ich allerdings hart an mir arbeiten. Heute lebe ich mit meinen beiden Kindern sehr gerne hier.

Mein Taschengeld das ich als Au Pair Mädchen in Deutschland verdient hatte, schickte ich damals meiner Familie. Als ich dann zu meiner Gastfamilie nach Österreich fahren sollte, stellte sich heraus, dass ich mir nicht einmal mehr eine Fahrkarte von München nach Wien leisten konnte. Zum Glück streckte mir meine neue Gastfamilie das Geld vor. Es wurde mir später von meinem Taschengeld abgezogen. Und am Anfang machte ich sogar Schulden bei meinen Freunden nur um meine Familie weiter mit Geld zu versorgen. Eine gute Freundin, von der ich mir öfters Geld geliehen hatte, öffnete mir damals die Augen „Easter – hör auf damit. Du machst dich selber kaputt!“.

Ich hatte Jahre gebraucht, um meiner Familie gegenüber zuzugeben, dass ich ihnen kein Geld mehr schicken könne, weil ich selber zu wenig für mich hatte. Was für ein schmerzvoller und langwieriger Prozess!

Das Geld wächst nicht auf Bäumen, sondern will erst einmal verdient werden.
Es war ein langer Weg und es ist sehr schwer, dieser Verpflichtung zu entkommen. Aber, wo der Wille ist, ist auch ein Weg.

„Gib einem Mann einen Fisch und du ernährst ihn für einen Tag. Lehre einen Mann zu fischen und du ernährst ihn für sein Leben.“
Meine Familie hatte bestimmt nicht die Absicht mich finanziell zu belasten – sie hatte bloß einen falschen Eindruck von Europa. Und ich habe viel zu lange zugewartet, die Erwartungshaltung zu korrigieren. Ich wollte sie ja nicht enttäuschen und sie mit meinen Problemen belasten. Dabei wäre es nicht zuviel verlangt gewesen, von meiner eigenen Familie viel früher Verständnis einzufordern – selbst, wenn sie darüber am Anfang sehr schockiert, dass ich kein Geld mehr schicken wollte. Mittlerweile haben sie sich dran gewöhnt. Schließlich habe ich Kinder die mich finanziell belasten.

Es ist verständlich, wenn man Zeit braucht sich in einem neuen Land einzuleben. Und verständlich ist es auch, nicht sofort mit der neuen Kultur klarzukommen. Jedoch sollte nach dem Kulturschock eine Entscheidung getroffen sein – will ich bleiben, oder zurück zu meiner Heimat? Lässt man sich jedoch zu lange Zeit sich mit der neuen Heimat zu befreunden, können gravierende Folgen entstehen, wie etwa Depressionen, Unzufriedenheit, Kriminalität, Alkoholismus, Drogenkonsum, und Aggressivität. Wenngleich viele von uns nicht unverzüglich erkennen, dass sie von Krankheiten wie Depressionen betroffen sind. Ich zum Beispiel bin nie mit dieser schrecklichen Krankheit in der alten Heimat in Berührung gekommen. Ich lernte sie erst in Europa kennen. Als meine Mutter mich hier einmal besuchte, brauchte ich fast eine Stunde ihr zu erklären, was Depressionen sind.

Ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit. Vor kurzen erzählt mir eine befreundete Kenianerin, dass sie manchmal davon träumt, nach Europa zu kommen und einen reichen Mann heiraten zu wollen. Sie wolle ein besseres Leben führen. Ganz direkt habe ich ihr entgegnet „Dein schöner Traum wird sich in einen Albtraum verwandeln, wenn Du nicht gleich aufwachst“. Das Leben hier hat nämlich nicht nur seine schönen Seiten. Neben allen Vorzügen hat Europa auch seine Schattenseiten – so wie jede andere Region auf der Erde auch. Es gibt nicht nur viel zu gewinnen, sondern auch viel zu verlieren. Und eine ausschließlich Fokussierung auf materielle Aspekte des Lebens macht ohnehin nicht glücklich.
Meine Freundin hat ihre Familie um sich, die Sonne scheint das ganze Jahr, sie kennt keine Depressionen, Burn-out und Rassismus. Sie muss auch nicht jeden Tag im Winter das Eis vom Auto kratzen und dabei frieren wie ein Polarbär. Glücklicherweise entschied sie sich, in Kenia zu bleiben. Viele kommen hier her, fangen bei null an und ich frage mich wofür – wo sie doch zuhause ein schönes Leben und einen guten Job hatten?

Das offene Reden mit meiner Familie hat mir ein leichtes Leben in der neuen Heimat ermöglicht. Ein Leben mit einem leichten Rucksack am Rücken. Je leichter der Rucksack, desto leichter ist das Leben miteinander. Lernen wir von Zeit zu Zeit unsere Rucksäcke zu entleeren und die Gegenstände die uns nicht gehören, abzugeben. Scheuen wir uns nicht offen zu sagen wie es uns in der neuen Heimat geht. Dadurch können wir die Menschen die ihre Heimat aus wirtschaftlichen Gründen verlassen wollen, umstimmen. Ich bin sogar davon überzeugt, dass unsere Familien und Freunde uns besser verstehen, unterstützen und uns nicht finanziell belasten, wenn wir offen mit ihnen sprechen. Geteiltes Leid ist halbes Leid.

Schenkt Liebe und ich garantiere euch, dass ihr Liebe zurückbekommt.
Bis bald!

Eure Easter.

P.S: Durch Verallgemeinerung und Unwissenheit können Verletzungen entstehen. Bitte urteile nur über anderen Kulturen und Menschen, wenn genug Wissen und Erfahrung vorhanden ist.

Lernt Deutsch und der Weg wird leichter …

Hallo – alle miteinander!

Ich bin Easter. Urprünglich stamme ich aus Kenia – und mittlerweile bin ich stolze Österreicherin.

Meine Plattform „GLEICHAnders“ werde ich nutzen, um über verschiedene Themen zu berichten – über meinen anfänglich erlebten Kulturschock, wie tief Vorurteile in Menschen verankert sind, meine persönlichen Erfahrungen mit erlebtem Rassismus, warum so viele gemischte Beziehungen scheitern, über die Erziehung von Kindern die mehrere Kulturen in sich tragen und auch – wie ich glaube, dass Integration besser gelingen kann.

So sehr ich Österreich heute schätze – meine Ankunft im Jahr 2006 war in erster Linie einmal mit einem Kulturschock verbunden.
Rasch wurde mir klar „Ich muss die Sprache dieses Landes lernen!“  – sonst würde ich die Menschen in diesem Land niemals verstehen können. Der Wunsch, mich mit Menschen unterhalten zu wollen, war groß. Der Anfang war sehr schwierig – aber nach sechs Monaten war mein Deutsch fast perfekt. Ich war überrascht darüber, wie schnell ich lernte – obwohl ich feststellen musste, dass Deutsch keine leichte Sprache ist. Einmal die Sprache gelernt und durch meine offene Art war es mir rasch möglich, einen Freundeskreis aufzubauen.

Während meiner Zeit in Österreich habe ich viele Zuwanderer kennengelernt, die schon die längste Zeit in Österreich leben und trotzdem kaum Deutsch sprechen.
Sollte ich deshalb unbegrenztes Verständnis für diese Menschen haben?
Nein – meine Einstellung zur Sache erlaubt dies nicht. Was sie verpassen, ist unbeschreiblich.

Viele jammern zwar, wie schwierig das Leben hier wäre und wie unfreundlich die Österreicher sich verhielten. Dass das Leben hier auch schwierige Seiten hat, ist unbestritten. Wie sollte es auch anders sein, wenn man Sprache und Kultur der Menschen nicht versteht – oder sollte ich sagen „nicht verstehen will“?
Ich habe diese Gruppe von Menschen gefragt, wieso sie denn hier leben wollen, wo doch das Leben hier so „schlecht“ wäre? Eine Antwort auf diese Frage habe ich nie erhalten.

Schlechte Menschen gibt es überall – genauso wie im extremen Fall Rassisten. Und jeder hat Vorurteile, negative und positive bzw. gesunde und ungesunde.
Wäre es nicht angebracht, über die österreichische Kultur nachzudenken und deren Werte und Menschen zu respektieren, bevor man negativ über das Land urteilt?
Das bedeutet nicht, die mitgebrachte Kultur zu verleugnen zu müssen. Ich für mich stelle fest „Meine alte Kultur wird immer ein Teil von mir bleiben. Dazu ist sie zu tief in mir verankert.
Zwei Kulturen zu leben, stellt keinen Widerspruch dar“. Einer neuen Kultur zu adoptieren bedeutet nicht, die alte aufgeben zu müssen. Ich erkenne nur Vorteile.

Als Voraussetzung für ein „Miteinander“ sehe ich vor allem die Bereitschaft, einen aktiven Beitrag leisten zu wollen – nicht also ausschließlich den Nutzen aus der neuen Kultur zu ziehen, sondern auch etwas (zurück) geben zu wollen –  ganz im Sinne einer gelebten Zwei-Wege-Kommunikation.
Eine aufgeschlossene Geisteshaltung fördert letztendlich den Respekt. Dies gilt für alle Seiten.

Leider haben wir Menschen verlernt, miteinander zu reden. Nelson Mandela hat dazu aber einmal angemerkt „Was man verlernt hat, kann wieder gelernt werden.“ Das sollte Anreiz genug sein zu handeln.

Jeder Mensch hat Angst vor Fremdem. Diese Angst kann nur überwunden werden, wenn die Bereitschaft vorhanden ist, Neuem gegenüber aufgeschlossen zu sein.
Hat es jemals jemandem geschadet, einem Fremden ein Lächeln zu schenken? Ich selbst spiele oft mit meinem Gegenüber, wenn ich merke, dass er unsicher ist – etwa wenn ich im Zug unterwegs bin. Stelle ich fest, dass jemand verunsichert ist, lächle ich ihn einfach an – und schon kommt ein Lächeln zurück.
„Du bekommst zurück, was Du ausstrahlst“ heißt es völlig richtig.
Ganz nebenbei ist Lächeln eine tolle Technik, um die Gesichtsmuskulatur zu trainieren. So bleibt man gesund und wirkt jünger 😉

An alle Österreicher …
Gebt uns die Chance, Euch näher kennenzulernen. Seid freundlich und kommt „uns Anderen“ vertrauensvoll entgegen. Habt bitte Verständnis – für uns, die wir Zeit brauchen, um uns auf Euch einzustellen. So helft ihr uns, den meist unvermeidlichen Kulturschock leichter zu verarbeiten und uns bei Euch einzuleben.

An alle Neuankömmlinge, die gerne bleiben wollen …
Lernt die Sprache Eurer neuen Heimat, respektiert die Menschen die hier leben und respektiert die Kultur und die Werte dieses wunderbaren Landes – denn nur durch gegenseitiges Respekt können wir voneinander lernen und friedlich miteinander leben.

Keine Kultur ist besser als die andere – Kulturen sind bloß unterschiedlich. Eine andere Kultur kennenzulernen ist eine große Bereicherung. Was gibt es schöneres, als neue Menschen kennenzulernen? Eine neue Sprache zu lernen, ist zwar anstrengend – aber sie bringt ausschließlich Vorteile.

Mögen wir mehr miteinander reden!

 

Genießt die Woche, tankt die Sonne und seid Euch freundlich gesinnt.
Ich werde bald über meinen Kulturschock in Europa schreiben.
Bleibt dran!

 

Eure Easter.