Es ist nicht alles Gold, was glänzt.

„Um alt und weise zu sein, muss man jung und dumm gewesen sein.“ sagt ein Sprichwort.

Hallo – alle miteinander 🙂 Hier bin ich wieder.

In meinem letzten Blog habe ich versprochen, über die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und Österreich zu berichten, die ich selber erlebt habe. Obwohl dieselbe Sprache gesprochen wird, sind die beiden Länder doch zu unterschiedlich, um sie über einen Kamm zu scheren. Ich wollte euch eigentlich erzählen, wie ich mit dieser Unterschiedlichkeit zurecht gekommen bin und was ist daraus gelernt habe. Allerdings gibt es ein Thema, das mich schon lange Zeit beschäftigt – die Schattenseite Europas. Ich habe mich daher entschlossen, dies zum Thema dieses Blog-Eintrages zu machen.

Die Entwicklungsländer verlieren jeden Tag fleißige und gebildete Menschen, weil sie im eigenen Land nicht dieselben Chancen vorfinden wie im „goldenen“ Europa oder in einem anderen hoch entwickelten Land. Diese Wirtschaftsflüchtlinge nehmen fälschlicherweise an, dass das Leben auf der anderen Seite nur schöner und besser wäre. Meiner Meinung nach werden genau diese Menschen dringend für den Aufbau und die  Weiterentwicklung dieser Länder gebraucht.

In den Entwicklungsländern wird zumeist ein Bild das schönen Europa gezeichnet. Die gleichen Medien äußern sich auf der anderen Seite zu negativ über das Leben in den Entwicklungsländern. Dass es in Europa auch viele arme Leute – sogar Obdachlosen und Menschen, die psychisch erkrankt sind – wird dabei nicht erwähnt – ebenso wie – die Menschen hier sehr hart arbeiten, um sich das Leben im Wohlstand leisten zu können. Das trifft insbesondere auf die Nachkriegsgeneration zu. Sie sind im Land geblieben, um zu arbeiten und ihren Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Auch ich dachte, dass das Leben in Europa ein leichtes Spiel wäre. Wie falsch ich doch gelegen bin!

An alle Migranten die jetzt schon in Europa leben – „Lasst uns Europa aus einem realistischen Blickwinkel betrachten.“.
Hören wir auf, falsche Geschichten zu erzählen und falsche Bilder zu zeichnen. Man muss nicht ausgerechnet nach Europa kommen, um ein besseres Leben führen zu können. Das „schöne Leben“ kann man genauso gut anderswo realisieren – Hauptsache man packt an und glaubt an sich.
Ganz ehrlich – hätte ich Europa seinerzeit so gekannt wie heute, wäre ich erst gar nicht nach Europa gekommen, sondern daheim geblieben. Ob ich das im Nachhinein bereue? Nein – denn meine anfänglichen Integrationsschwierigkeiten sind mittlerweile der Begeisterung für den Kontinent gewichen. Dazu musste ich allerdings hart an mir arbeiten. Heute lebe ich mit meinen beiden Kindern sehr gerne hier.

Mein Taschengeld das ich als Au Pair Mädchen in Deutschland verdient hatte, schickte ich damals meiner Familie. Als ich dann zu meiner Gastfamilie nach Österreich fahren sollte, stellte sich heraus, dass ich mir nicht einmal mehr eine Fahrkarte von München nach Wien leisten konnte. Zum Glück streckte mir meine neue Gastfamilie das Geld vor. Es wurde mir später von meinem Taschengeld abgezogen. Und am Anfang machte ich sogar Schulden bei meinen Freunden nur um meine Familie weiter mit Geld zu versorgen. Eine gute Freundin, von der ich mir öfters Geld geliehen hatte, öffnete mir damals die Augen „Easter – hör auf damit. Du machst dich selber kaputt!“.

Ich hatte Jahre gebraucht, um meiner Familie gegenüber zuzugeben, dass ich ihnen kein Geld mehr schicken könne, weil ich selber zu wenig für mich hatte. Was für ein schmerzvoller und langwieriger Prozess!

Das Geld wächst nicht auf Bäumen, sondern will erst einmal verdient werden.
Es war ein langer Weg und es ist sehr schwer, dieser Verpflichtung zu entkommen. Aber, wo der Wille ist, ist auch ein Weg.

„Gib einem Mann einen Fisch und du ernährst ihn für einen Tag. Lehre einen Mann zu fischen und du ernährst ihn für sein Leben.“
Meine Familie hatte bestimmt nicht die Absicht mich finanziell zu belasten – sie hatte bloß einen falschen Eindruck von Europa. Und ich habe viel zu lange zugewartet, die Erwartungshaltung zu korrigieren. Ich wollte sie ja nicht enttäuschen und sie mit meinen Problemen belasten. Dabei wäre es nicht zuviel verlangt gewesen, von meiner eigenen Familie viel früher Verständnis einzufordern – selbst, wenn sie darüber am Anfang sehr schockiert, dass ich kein Geld mehr schicken wollte. Mittlerweile haben sie sich dran gewöhnt. Schließlich habe ich Kinder die mich finanziell belasten.

Es ist verständlich, wenn man Zeit braucht sich in einem neuen Land einzuleben. Und verständlich ist es auch, nicht sofort mit der neuen Kultur klarzukommen. Jedoch sollte nach dem Kulturschock eine Entscheidung getroffen sein – will ich bleiben, oder zurück zu meiner Heimat? Lässt man sich jedoch zu lange Zeit sich mit der neuen Heimat zu befreunden, können gravierende Folgen entstehen, wie etwa Depressionen, Unzufriedenheit, Kriminalität, Alkoholismus, Drogenkonsum, und Aggressivität. Wenngleich viele von uns nicht unverzüglich erkennen, dass sie von Krankheiten wie Depressionen betroffen sind. Ich zum Beispiel bin nie mit dieser schrecklichen Krankheit in der alten Heimat in Berührung gekommen. Ich lernte sie erst in Europa kennen. Als meine Mutter mich hier einmal besuchte, brauchte ich fast eine Stunde ihr zu erklären, was Depressionen sind.

Ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit. Vor kurzen erzählt mir eine befreundete Kenianerin, dass sie manchmal davon träumt, nach Europa zu kommen und einen reichen Mann heiraten zu wollen. Sie wolle ein besseres Leben führen. Ganz direkt habe ich ihr entgegnet „Dein schöner Traum wird sich in einen Albtraum verwandeln, wenn Du nicht gleich aufwachst“. Das Leben hier hat nämlich nicht nur seine schönen Seiten. Neben allen Vorzügen hat Europa auch seine Schattenseiten – so wie jede andere Region auf der Erde auch. Es gibt nicht nur viel zu gewinnen, sondern auch viel zu verlieren. Und eine ausschließlich Fokussierung auf materielle Aspekte des Lebens macht ohnehin nicht glücklich.
Meine Freundin hat ihre Familie um sich, die Sonne scheint das ganze Jahr, sie kennt keine Depressionen, Burn-out und Rassismus. Sie muss auch nicht jeden Tag im Winter das Eis vom Auto kratzen und dabei frieren wie ein Polarbär. Glücklicherweise entschied sie sich, in Kenia zu bleiben. Viele kommen hier her, fangen bei null an und ich frage mich wofür – wo sie doch zuhause ein schönes Leben und einen guten Job hatten?

Das offene Reden mit meiner Familie hat mir ein leichtes Leben in der neuen Heimat ermöglicht. Ein Leben mit einem leichten Rucksack am Rücken. Je leichter der Rucksack, desto leichter ist das Leben miteinander. Lernen wir von Zeit zu Zeit unsere Rucksäcke zu entleeren und die Gegenstände die uns nicht gehören, abzugeben. Scheuen wir uns nicht offen zu sagen wie es uns in der neuen Heimat geht. Dadurch können wir die Menschen die ihre Heimat aus wirtschaftlichen Gründen verlassen wollen, umstimmen. Ich bin sogar davon überzeugt, dass unsere Familien und Freunde uns besser verstehen, unterstützen und uns nicht finanziell belasten, wenn wir offen mit ihnen sprechen. Geteiltes Leid ist halbes Leid.

Schenkt Liebe und ich garantiere euch, dass ihr Liebe zurückbekommt.
Bis bald!

Eure Easter.

P.S: Durch Verallgemeinerung und Unwissenheit können Verletzungen entstehen. Bitte urteile nur über anderen Kulturen und Menschen, wenn genug Wissen und Erfahrung vorhanden ist.

Autor: GLEICHAnders

Niemand wird geboren, um einen anderen Menschen zu hassen. Menschen müssen zu hassen lernen und wenn sie zu hassen lernen können, dann kann Ihnen auch gelehrt werden zu lieben, denn Liebe empfindet das menschliche Herz viel natürlicher als ihr Gegenteil. Nelson Mandela

5 Kommentare zu „Es ist nicht alles Gold, was glänzt.“

  1. liebe Easter 🙂
    ich bin sehr sehr beeindruckt und lese es mit Wissensdurst … habe deinen Blog über *Thomas* seinen heute entdeckt
    bleibe mit Gewissheit dran 😉
    Segen und Gelassenheit
    wünscht Dir zuzaly 🙂

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    1. Hallo Zulazy,
      danke vielmals für deinen netten Kommentar.
      Ich habe auch deine Seite besucht und dich ein paar Stunden „gestalkt“ :-), wow! Wie du schreibst, wahnsinn! Von dir werde ich noch sehr viel lernen. Deine positive Energie und die magische Ausstrahlung, habe ich sofort gespürt.
      Ich bin noch beim lernen, ich schreibe einfach direkt aus meinen Gedanken :-). Ich würde gerne meine Seite auch noch attraktiver machen, allerdings kenne ich mich noch nicht sehr gut aus, vielleicht hast du ein paar Tipps für mich?.

      Ich freue mich auf mehr Beiträge von dir, liebe zulazy.

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