„Was machst du beruflich?“

20180406_182200[1]„Durch positive Energie und positive Ausstrahlung entsteht die innere Zufriedenheit.“

Hallo – alle miteinander

Endlich komme ich dazu, über die kulturelle Unterschiede zwischen Deutschland und Österreich zu schreiben.  Obwohl die Menschen dieselbe Sprache sprechen, musste ich aus eigene Erfahrung feststellen, dass es doch Unterschiede in der Mentalität und in der Denkweise gibt.

Ich liebe beide Länder, ich besuche sehr gerne Freunde in Deutschland und liebe die Offenheit und die kulturelle Vielfältigkeit.

So erinnere ich mich manchmal an meine Zeit in Bayern zurück. Meine Gastfamilie war in einer Ortschaft namens Dorfen zu Hause. Die Sprache war anfänglich sehr gewöhnungsbedürftig. Mir kam es so vor als würden die Leute beim Reden bellen. Ich hatte Schwierigkeiten die Leute zu verstehen. Mit der Zeit lernte ich aber sogar, verschiedene Dialekte zu verstehen. Irgendwann hatte ich es geschafft, die Eigenheiten der Sprache zu adoptieren und es machte es mich stolz, selbst bellen zu können :-).

Als Au Pair Mädchen hatte ich jedes Wochenende frei.  Mein Gastvater spendete mir  jedes Wochenende eine Fahrkarte, um mich mit der Region vertraut zu machen. Ich reiste durch das ganze Land, besuchte Freunde, lernte interessante Menschen und Städte kennen – und natürlich die Sprache.

So kam es, dass ich eines Tages beschloss, das berühmte Oktoberfest aufzumischen. Was soll ich euch sagen? Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich am eigenen Leib erfahren was es bedeutet mit Gedächtnislücke konfrontiert zu sein. Es ist mir daher heute nicht möglich vollständigen Bericht über das Oktoberfest zu verfassen. In dieser Zeit war ich froh, meine russische Freundin als Begleiterin bei mir zu haben. Ein besseres Navigationssystem kann ich mir nicht vorstellen.

Meiner Gastmutter habe ich  zu verdanken, dass sie mich mit vielen jungen Leuten bekannt gemacht hat, die mich am Abend zu Veranstaltungen mitnahmen. Das war sehr hilfreich. Ich durfte Deutschland dabei als sehr offen und tolerant gegenüber Ausländern kennen lernen. Die anfänglich als sehr distanziert erlebte Art, miteinander umzugehen, störte mich auf einmal nicht mehr. Dabei ich nur zu gut in Erinnerung wie die Leute Platz machten, nur um mit jemand anderen nicht in Berührung zu kommen.

Den Deutschen empfand ich zwar als sehr direkt, keinesfalls aber hinterlistig. Er sagt einfach, was er von dir hält. Diese Eigenschaft fehlt mir in Österreich. Anstatt jemanden auf Fehler aufmerksam zu machen, machen sie sich manchmal über jemanden lustig oder beginnen zu lästern.

Nach meinem Jahr in Deutschland wollte ich weitere Sprachen lernen. Mein Plan war, je ein Jahr in Deutschland, in Frankreich und in Spanien zu verbringen. Dann wollte ich nach Kenia zurückkehren. Wie sagt man so schön – „Im Leben kommt es immer anders als geplant.“.  So fand ich eine nette Familie in Österreich und dachte mir „wieso nicht?“. Ich war noch jung, wollte aber meinen Plan nicht verwerfen, um ihn später umzusetzen. Österreich kannte ich vorher überhaupt nicht – ich hatte noch nie von diesem Land gehört. Meinen Neugier war geweckt. Ich las viel über die Geschichte Österreichs, über seine berühmten Komponisten, die Leidenschaft des Skifahrens und die typisch österreichisch Küche. Ich war fasziniert und wollte rasch aufbrechen.

Die Berge liebe ich genauso wie die verschiedenen Dialekte mit denen ich noch vertraut werden sollte – ebenso wie das traditionelle Essen, die Musik und die Kultur. Bis heute habe ich von der Begeisterung von dem Land nichts verloren – egal ob ich daheim bin, oder beispielsweise in Tirol oder Salzburg unterwegs bin. Schade, dass es trotzdem noch Menschen gibt, die die Schönheit des Landes nicht genug zu schätzen wissen. Viel lieber verlagern sie sich aufs Jammern und Raunzen, was mich immer wieder zu einem Schmunzeln hinreißt – etwa dann, wenn sich dadurch Stimme und Körperhaltung ändern. Unglaublich wie „professionell“ vor allem der Wiener jammern kann. Das ist schon ziemlich einmalig. Am Anfang hatte ich zwar gewaltig damit zu kämpfen – aber letztendlich akzeptierte ich das Raunzen als Bestandteil der Kultur. Immerzu dachte ich „Die Leute haben doch alles. Es geht ihnen gut. Was wollen sie denn noch mehr?“. Es scheint, als wäre das Raunzen den Österreichern genauso wichtig wie uns Afrikanern das Lachen. Auch wenn ich angepasst habe und das Raunzen irgendwo akzeptiert habe – annehmen möchte ich es niemals.

Mit den Witzen ist das auch so eine Sache. Ich war äußerst erstaunt zu erfahren, dass man sich hier Witze über Menschen aus anderen Kulturen erzählt. Dort wo ich herkomme, gibt es keine Witze über weiße Leute, oder anders farbige. Wieso denn auch? Wir sind anderen Kulturen gegenüber sehr freundlich eingestellt. So waren Gäste aus dem Ausland bei uns immer willkommen. Und wie wir die Gäste liebten! Wir hatten uns immer darüber gefreut, wenn jemand vorbei kam. Dabei nehmen wir die Menschen so wie sind. Sie ändern zu wollen oder Witze über sie zu machen, käme uns nicht in den Sinn. Und hier? Einer der ersten Witze, die man mir erzählte, war ein „Neger-Witz“ – und wie Chinesen und Indianern „funktionierten“, sollte ich auch rasch erfahren. Ob die Leute Witze über anderen nur machen, weil ihnen langweilig ist?

Mein erstes Erlebnis beim Notar in Österreich war ebenfalls einmalig. Die Sekretärin sprach immer zu von einem Herrn Magister.  „Der Herr Magister kommt gleich.“, „Der Herr Magister kann Sie jetzt empfangen“, usw. Ich fragte mich, ob Magister sein Vorname oder sein Familienname wäre. Später erfuhr ich dann, wie wichtig ein Titel in Österreich ist. Überall traf man auf Frau oder Herr Magister, auf Herrn Doktor oder einen BA (Bachelortitel)! „Titelwahn“ war mir bis dahin eine unbekannte Krankheit. Bis heute muss ich schmunzeln, wenn ich einen Herren oder eine Frau Magister kennen lerne. Andere Länder, andere Sitten ;-).

„Was machst du beruflich?“ wurde mir oft als erste Frage gestellt, wenn ich jemanden kennen lernte. Das schien wichtiger zu sein, als nach meinem Namen zu fragen. Irritiert war ich deshalb, weil ich nicht über meinen Beruf definiert werden wollte, sondern ich mir erwartete, dass man sich für meine Persönlichkeit interessiert. Heute stelle ich mich als erste mit Namen und Beruf vor und die Frage ist geklärt.

Ich könnte noch viel mehr über die kulturelle Unterschiede berichten – aber das würde an diese Stelle den Rahmen sprengen. Jedes Land hat seine eigene Kultur und eigene Werte, die man genauso respektieren sollte, wie den spezifischen Charakter eines Menschen. Alle in einen Topf zu werfen, finde ich nicht richtig. Lerne erst einen Mensch kennen – und dann urteile über ihn.

Lernen wir uns anzupassen. Wir dürfen uns nicht erwarten, dass der Gastgeber sich uns anpasst.  Wünschen wir uns nur, dass er uns zumindest freundlich gesinnt ist. Lasst uns viel mehr mit Humor nehmen und das Leben trotz seiner manchmal unwillkommenen Überraschungen genießen. Wir alle sind Gäste auf dieser Welt, wir kommen und gehen und vor allem „keiner kommt lebendig hier raus:“ :-).

Vergessen wir auch nicht, dass sich jede Kultur mit der Zeit auch ändert – ob wir es wollen oder nicht –  sei es durch Einflüsse von außen oder von innen. Nichts bleibt gleich und ich bin mir sicher – unsere Kinder werden bald eine andere Kultur finden, als wir heute. Dazu bedarf es nur einer Portion Toleranz und Respekt.

 

Bis bald!

Eure Easter.

 

 

Autor: GLEICHAnders

Niemand wird geboren, um einen anderen Menschen zu hassen. Menschen müssen zu hassen lernen und wenn sie zu hassen lernen können, dann kann Ihnen auch gelehrt werden zu lieben, denn Liebe empfindet das menschliche Herz viel natürlicher als ihr Gegenteil. Nelson Mandela

10 Kommentare zu „„Was machst du beruflich?““

  1. Hallo mein Schatz,
    sehr toll finde ich deine Beiträge!
    Immer wieder erfrischend und interessant.
    Zu dem Punkt “Witze über die jeweils fremde Kultur oder fremden Menschen“…das darf man nicht so eng sehen und ernst nehmen.
    Das sind Witze,frei nach dem Motto “über sich selber lachen können“.
    Das ist ja auch wichtig. ☺😘
    Freu mich schon jetzt sehr über weitere Beiträge😘

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    1. Mein Schatz,
      wie schön von dir zu lesen! Danke vielmals für dein Feedback. Nein Schatz, ich nehme die Witze nicht ernst, sonst wäre ich schon in der Klapsmühle :-). Ich war am Anfang nur überrascht, da ich solche Witze über andere Leute nicht kenne.

      Bussi und bis bald.

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      1. Ich bin sehr gespannt. Wir bekamen damals auch fast keine Weißen zu Gesicht. Wir wussten viel zu wenig über sie, um Witze über sie zu machen. Heutzutage mit Handys und Fernsehern ist alles möglich. Ich bin mir sicher, dass es jetzt anders ist….die Welt ist zu klein geworden…

        Gefällt 1 Person

    1. Ich glaube durch Globalisierung gibt es mittlerweile Witze über Weißen in meiner Ortschaft…..sehr interessanter Gedanke, muss ich mehr in Erfahrung bringen. Danke vielmals für den Gedankenaustausch.

      Liebe Grüße,
      Easter.

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