Meine Tochter, ihr Handy und ich.

„Kinder wurden geboren, wer sie sind und wo genau in der Welt sie sich finden, wenn sie groß werden, und wer sie sein wollen, kann ich nicht entscheiden. Meine Aufgabe als Eltern ist es, sie zu feiern, zu lieben und sicherzustellen, dass sie alles haben, was sie brauchen, um das zu werden, was sie sein wollen.“ – Charlize Theron.

Hallo – alle miteinander,

das Handy für Kinder ist ein schwieriges Thema. Die heutige Jugend wächst mit den elektronischen Geräten, sozialen Medien usw auf. Mein sechs jähriger Sohn weiß schon, wie er den Computer ein und auszuschaltet, sogar wie er ins Internet geht! Erst mit zwanzig Jahren bediente ich einen Computer!

Das Thema Handy können Eltern nicht mehr übergehen. Wann ist der richtige Zeitpunkt? Wie oft und wie lange sollen die Kinder das Handy benutzen? Es gibt sehr viele Fragen, die Eltern sich vor der großen Entscheidung stellen. Für mich ist es nicht leicht ihnen beizubringen, wie sie damit umgehen sollen, weil ich damit nicht aufgewachsen bin. Ich lerne viel über Technik von ihnen, als sie von mir. Wenn es zu einer Entscheidung kommt, vertraue ich mehr meine Instinkte als Mutter und die Reife des Kindes.

Meine Tochter wird im Mai zehn Jahre alt. Ab September geht sie ins Gymnasium. Sie dürfen das Handy ab und zu im Unterricht für Lehrzwecke benutzen. Also, sie braucht eines. Hilfe! Mein erstes Handy bekam ich mit einundzwanzig und ich war verrückt davon! Sie ist nur zehn, wie soll das funktionieren?

Bis kurzem dachte ich mir, noch kein Handy für sie, frühesten, wenn sie ins Gymnasium geht. Ich möchte sie ja vor der brutalen Welt beschützen. Nach ernsthaften Überlegungen bin ich jetzt einer anderen Meinung. Jedes Kind ist anders, das dürfen die Eltern nicht vergessen.

Meine Meinung nach sollen sie bevor sie viel alleine unterwegs sind, lernen damit umzugehen, zwar zu Hause unter Aufsicht der Eltern. Daher entschied ich mich bevor sie ins Gymnasium geht, ihr ein Handy zu kaufen. Ich möchte, dass sie vorher lernt mit dem Handy umzugehen. Nicht von Freunden, oder in der Schule, sondern von mir. Sie soll lernen Kontrolle über ihr Handy zu haben und nicht umgekehrt.

Ich kann sie jetzt noch begleiten, auf Gefahren im Internet drauf hinweisen. Wenn sie später alleine unterwegs ist, habe ich sehr wenig Einfluss auf ihr Verhalten dem Handy gegenüber. Ich möchte sie jetzt noch vieles beibringen, dann ihr die Verantwortung übertragen, dass sie ohne Beobachtung weiß, was richtig und falsch ist. Und dass sie jeder Zeit mit mir reden kann, wenn ihr etwas komisches vorkommt.

Als erstes bekam sie ein Tasturhandy. Alles gut. Sie hat ständig SMS geschrieben und mich und ihren Papa angerufen. Dann bekam sie ein Smartphone von Freunden mit WhatsApp. Katastrophe! Das Kind ist verrückt geworden! Ihr Leben drehte sich nur um das Handy, sie nahm es sogar auf die Toilette mit. Und wenn sie eine Nachricht bekam, glaubte sie sofort antworten zu müssen! Genauso wie ich damals mit einundzwanzig!

Ich wollte sehen, wie sie damit umgeht, ob sie schon reif genug ist Kontrolle über das Handy zu haben. Falsch! Das Handy hatte völlige Kontrolle über sie. Sie versteckte sich sogar in der Nacht unter der Decke und schaute YouTube Videos an! Sie war noch zu jung Kontrolle über das Handy zu haben. Es ist meine Aufgabe als Mutter, sie zu begleiten und sie auf den richtigen Weg zu führen.

Es war Zeit für ein Gespräch und „leading by example“(führen mit Beispiel). Beim Schlafengehen schalte ich immer mein Handy aus. Ich nehme ungern meine Probleme ins Schlafzimmer mit. Manchmal am Wochenende schalte ich auch mein Handy aus und am Montag merke ich, dass ich nicht wichtiges verpasst habe. Meine Tochter begann auch ihr Handy am Wochenende auszuschalten, damit wir schöne Zeit miteinander verbringen.

In der Nacht liegen alle Handys auf dem Küchentisch. Ich brauchte nichts zu sagen, ich schaltete einfach mein Handy beim Schlafengehen aus, legte es auf den Küchentisch – und siehe da! Sie machte automatisch das Gleiche. Jetzt schalten wir sehr oft unsere Handys am Wochenende aus, damit wir schöne Zeit miteinander verbringen können. Es ist herrlich!

Klar, wollte sie ihrem Papa am Anfang das neue Handy zeigen.  Jetzt merke ich, wenn sie am Wochenende beim Papa ist, bleibt das Handy zu Hause. Ich fragte sie wieso und bekam diese Antwort; „Mama, ich möchte mit dem Papa schöne Zeit verbringen“! Falls sie mich anrufen möchte, nimmt sie einfach das Handy vom Papa. Außerdem mag ich nicht angerufen werden an den Wochenenden, wo sie beim Papa sind. Außer es ist sehr dringend. Sollen sie die Zeit mit ihrem Papa gut verbringen. Diese Zeit gehört nur mir.

Solange ich das gleiche mache, was ich predige, ist sie mit allem einverstanden, was ich versuche ihr beizubringen. Jetzt vergisst sie sogar, dass sie ein Handy hat. Manchmal weiß sie nicht einmal, wo es ist. Endlich hat sie Kontrolle über das Ding und ich hoffe, wenn sie ins Gymnasium geht und sie  ständig alleine mit dem Handy unterwegs ist und äußere Einflüsse ausgesetzt ist, wird sie ihren Weg nicht verlassen.

Jedes Kind ist anders. Ob sie heute, oder morgen das Handy bekommen, ist nicht von großer Bedeutung. Entscheidend ist es, wie sie mit dem Handy und soziale Medien umgehen und das sollte Eltern einschätzen können, sie kennen ja ihr Kind am besten –  und selber das Leben führen, das sie ihren Kindern beibringen möchten.

Nach der Arbeit versuche ich, die Zeit mit meinen Kindern zu verbringen. Daher entschied ich mich mit dem Zug in die Arbeit zu fahren. Ich habe eine Stunde meine Nachrichten zu beantworten, mit Freunden zu telefonieren, Nachrichten zu lesen usw. Es gelingt mir nicht jeden Tag, aber ich tue mein bestes ein besserer Mensch für mich und für meine Kinder zu sein.

Kinder zu vergleichen, bringt gar nichts. Wir Erwachsene wollen auch nicht mit den anderen verglichen werden. Vielleicht wird mein Sohn sein Handy früher oder später bekommen, das hängt von seiner Reife ab und nicht, wann seine Schwester ihr Handy bekommen hat.

Kinder müssen lernen Verantwortung zu übernehmen. Sie lieben es Verantwortung zu übernehmen, solange man sie lässt. Ich möchte nicht meine Kinder ständig beobachten, was sie tun, oder wo sie sind – ist mir zu anstrengend, außerdem habe ich auch ein Leben. Wenn sie noch klein sind, ist klar, dass man schaut, wo sie sind und was sie tun. Später gebe ich ihnen Flügeln, damit sie fliegen können.

Das Leben ist für mich viel leichter, wenn sie im Haushalt mithelfen, wenn sie von alleine ihre Hausaufgaben machen, ohne dass ich schreien muss. Ich sage ihnen auch, dass sie ja nicht für mich in die Schule gehen, sondern für sich und ihre Zukunft. Sie sind stolz auf sich, wenn sie Verantwortung übertragen bekommen, es stärkt das Selbstbewusstsein. Ich möchte nicht alles für meine Kinder machen, das ist für mich keine Liebe, sondern Sklaverei und Abhängigkeit.

Ich bin keine perfekte Mutter, will ich auch nicht sein, ist mir zu anstrengend. Es gibt auch keine perfekte Mütter. Ich möchte auch keine Mutter sein, wie es von mir von der Gesellschaft erwartet und verlangt wird. Ich definiere meine Mutterrolle selbst und vertraue einfach auf meine mütterliche Instinkte. Als Frau und Mutter bin ich genug, wie ich bin. Ich liebe und akzeptiere ich mich mit allen meinen Kanten, Kurven und Ecken.

Mutter zu sein, ist für mich kein Wettbewerb, wer schneller und besser ist. Ich vergleiche mich nicht mit anderen Mütter, ich mache jeden Tag meine Fehler, lernen aus denen und maschiere weiter. Meine Aufgabe ist es meine Kinder zu begleiten, sie zu lieben und zu beschützen. Die Einstellung, für sich selbst einzustehen und sich anderen zuliebe nicht zu verstellen und zu verbiegen. Sie sollen fliegen – viel höher als ich je zu fliegen gewagt habe!

 

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Bis bald!

Eure Easter.

Autor: GLEICHAnders

Niemand wird geboren, um einen anderen Menschen zu hassen. Menschen müssen zu hassen lernen und wenn sie zu hassen lernen können, dann kann Ihnen auch gelehrt werden zu lieben, denn Liebe empfindet das menschliche Herz viel natürlicher als ihr Gegenteil. Nelson Mandela

2 Kommentare zu „Meine Tochter, ihr Handy und ich.“

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